Magazin Mach mal blau

Das hübsch illustrierte Magazin "Transform" behandelt das Thema Arbeit - vor allem aber die Frage, wie man sie möglichst effektiv vermeidet: Den Karriere-Boykott macht es zum Politikum.

Von Kathrin Hollmer

Ist Wellness nur dazu da, den arbeitenden Menschen leistungsfähig zu halten? Wie viel Berufung muss der Beruf sein? Kann man durch Nichtstun den Planeten retten? Das neue Magazin Transform stellt viele Fragen. Auf den ersten Blick erinnert es an das Bastelheft Flow, nur in kleiner: Auch in Transform ist fast alles illustriert, es gibt Bilder zum Ausmalen, eine Doppelseite mit Mantras ("Möge ich mein Smartphone auch einmal zu Hause lassen"), und der Untertitel lautet: "Magazin für das Gute Leben". Ein weiteres Wohlfühl-Magazin, das statt Karriere Entspannung propagiert, ist Transform aber nicht, stattdessen macht es den Karriere-Boykott zum Politikum.

In der ersten Ausgabe geht es um Arbeit, genauer: deren Vermeidung. Mal hintergründiger und gehaltvoller, wie in den Interviews mit einem Berliner, der seit zehn Jahren freiwillig arbeitslos ist oder mit dem britischen "Faulheits-Guru" Tom Hodgkinson, Chefredakteur des Magazins The Idler ("Der Müßiggänger"), das ein Vorbild für Transform war. Manchmal aber auch etwas platt, wie mit den Tipps zum Blaumachen (Raucherpause durch Dehnen und Strecken verlängern) oder einer Arbeitsunwilligkeitsbescheinigung zum Ausschneiden. In den Texten ist viel "wir", viel "ich". Oft ist das angemessen, etwa bei einer Autorin, die sich für eine Teilzeitstelle bewirbt: nicht, weil sie Kinder hat oder Eltern pflegt, sondern weil sie nicht 40 Stunden in der Woche im Büro sitzen will und sich schon beim Bewerbungsgespräch dafür rechtfertigen muss.

Online erschien Transform schon im Frühsommer. Per Crowdfunding sammelten die Herausgeber und Chefredakteure Richard Gasch, 30, aus Leipzig und Jan Korte, 28, aus Berlin 10 000 Euro, um das Heft auch drucken zu können. 18 Autoren, Layouter, Fotografen und Lektoren arbeiteten ehrenamtlich mit. Die Einnahmen der ersten Ausgabe sollen die Produktionskosten der zweiten finanzieren.

Wer will, darf die Texte aus dem Heft für private Zwecke weiterverwenden. "Wir glauben an die Ideologie, Wissen schrankenlos zu verbreiten", sagt Gasch: "Nicht jeder kann zehn Euro für ein Magazin ausgeben. Und die, die es sich leisten können, zahlen gerne dafür."