Magazin "11 Freunde" Interview mit der Eckfahne

Der Verkauf des Magazins "11 Freunde" an den Verlag Gruner + Jahr ist ein journalistisches Sommermärchen: Die Gründer des Magazins haben viel gewagt.

Von Hans Leyendecker

Da ist einer jung, er kann schreiben, er traut sich was und gründet im Frühjahr 2000 mit einem Fotografen ein Fußball-Magazin, das sie 11 Freunde nennen. Der Schreiber, Philipp Köster, wird Chefredakteur; der Fotograf, Reinaldo Coddou, macht das Layout. Beide sind Fans von Arminia Bielefeld, und das erzieht zur Demut. Die Geschichten werden in Coddous Wohnzimmer geschrieben, weil sie sich kein Büro leisten können. An der Wand hängt die Bundesligastecktabelle vom Kicker.

Die Exemplare für die ersten Abonnenten tüten sie selbst ein, beim Pokalendspiel in Berlin versuchen sie, die neueste Nummer zu verkaufen. Sie haben zweihundert Hefte dabei, acht werden sie los. Zwei Jahre später haben sie mehr Abonnenten, auch der Verkauf am Kiosk läuft an, und gleichzeitig wächst die Angst vor der Katastrophe. Die Druckerei mahnt Außenstände in Höhe von 50.000 Euro an.

Knapp an der Pleite vorbei

Die Pleite kann gerade vermieden werden. Der Kölner Intro-Verlag, der sich normalerweise im Bereich Musik und Popkultur tummelt, kümmert sich um Verlagsangelegenheiten wie Marketing und Vertrieb und bringt Ruhe rein. Zehn Jahre nach der Gründung liegt die Auflage der mittlerweile monatlich erscheinenden Zeitschrift bei 78.839 Exemplaren. Tendenz: stetig steigend.

Das Druck- und Verlagshaus Gruner + Jahr (Brigitte, Stern) hat in dieser Woche für geschätzte drei Millionen Euro 51 Prozent der Anteile an der "11 Freunde GmbH & Co KG" erworben. Köster gab rund zehn Prozent seiner Anteile ab. G+J schwärmt von der Investition "in eine tolle Marke und ein profitables, stark wachsendes Unternehmen mit exzellenten wirtschaftlichen Perspektiven".

Solches Verlags-Gedröhne passt eigentlich nicht zu einem Blatt wie diesem, das ohne Hochglanz auskommt. In den vergangenen Jahren verschwanden etliche teure Magazine vom Markt: Unter anderem raffte es Park Avenue, Vanity Fair, Amica, Best Life, Maxim und Max dahin. Verlage hatten teils hohe zweistellige Millionensummen in Prestigeprojekte investiert, und am Ende wurden sie gegen die Wand gefahren.

Das Erstaunliche am Aufstieg von 11 Freunde ist, dass diesen Erfolg kein präpotenter Manager mit eckiger Beraterbrille ermöglicht hat, der angeblich alles weiß über die Wünsche des Lesers. Es waren vor allem Romantiker wie der junge Köster (Jahrgang 1972), die das Blättchen mit Schöpfer-Passion geformt und verbessert haben. Sie kamen aus der Fanzine-Ecke, beobachten Fußball aus der Kurve und kommunizieren mit Lesern, die hoffen, nicht mitten in der Saison sterben zu müssen. Kein Glamour, kein Rausch, kein Unsinn. Fußball-Feuilleton ohne Arroganz.

Konkurrenz ist gescheitert