Machtkampf beim "Spiegel" Chaos 3.0

In unruhigen Gewässern: Im Verlagshaus des Spiegel in der Hamburger Hafencity wird um den künftigen Kurs der Mediengruppe gerungen.

(Foto: dpa)

Beim "Spiegel" rumort es: Das Konzept "Spiegel 3.0", das Chefredakteur Wolfgang Büchner durchsetzen will, stößt auf den Widerstand vieler Redakteure. Ob die für Freitag angesetzte Gesellschafterversammlung zu einer Entscheidung kommt, ist kurzfristig nicht absehbar.

Von Kristina Läsker und Claudia Tieschky

Beim Spiegel war am Donnerstag weiter unklar, welche Richtung die Machtprobe nimmt, die Chefredakteur Wolfgang Büchner mit seinem Konzept "Spiegel 3.0" provoziert.

Vieles deutet darauf hin, dass bei einer am Freitag anstehenden Gesellschafterversammlung die Entscheidung vertagt werden könnte. Auch arbeitsrechtliche Bedenken könnten dabei eine Rolle spielen.

Gesellschafter sind die Mitarbeiter KG (50,5 Prozent), Gruner + Jahr (25,5) und die Augstein-Erben (24). Entscheidend dürfte sein, mit welcher Position die KG-Vertreter in die Runde gehen. Am Donnerstag soll unter ihnen noch kein klares Votum für oder gegen Büchners Pläne erzielt worden sein, die in der Redaktion als Affront verstanden werden. Sollte Büchner scheitern, gliche das seiner Entmachtung.

Das Konzept, das am Mittwoch zum Eklat beim Spiegel führte, sieht unter anderem vor, alle Ressortleiterposten neu auszuschreiben, das bedeutet nicht zwingend, aber potenziell den Austausch der journalistischen Führung. Büchner begründet den Plan mit der Zusammenführung von Print und Online; er bestreitet, Gegner an den Ressortspitzen loswerden zu wollen.

In der Redaktion werden Unterschriften gesammelt

Am Donnerstag wurde von einer größeren Gruppe in der Redaktion eine Petition verfasst, die Einfluss auf die Gesellschafter nehmen soll. Die Initiatoren sammelten auf den Gängen Unterschriften.

Darin heißt es, Mitarbeiter von Redaktion und Dokumentation befürworteten eine enge Kooperation von Spiegel und Spiegel Online, dies sei "unabdingbar". Die Strukturveränderung könne aber nur "in vertrauensvoller Zusammenarbeit" vorbereitet werden. Das sei nicht geschehen, auch der Zeitpunkt - kurz vor Umstellung des Spiegel-Erscheinungstages auf Samstag - sei falsch. Darum fordere man die Gesellschafter auf, Büchners Pläne "jetzt abzulehnen".