Keine NPD-Postillen mehr am Kiosk: Eine linke Kampagne will rechte Zeitungen verbannen. Doch der Versuch, für ein politisch gesäubertes Medienangebot zu sorgen, ist umstritten.
Rechts. Es gibt wenige Wörter, die im Deutschen so kontaminiert sind wie dieses. Rechts, das ist alles, was übel war, ist und nie wieder sein darf. Unterschiede werden selten gemacht, und wer nicht mittut im permanenten Kampf gegen das politisch Böse, muss sich meist schneller als er Meinungsfreiheit sagen kann, anhören, dass er vermutlich selbst gewisse dunkle Sympathien hegt.
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Eine Utopie von rechts-freien Kiosken wünscht sich die linke Bewegung. (Symbolbild: Kiosk) (© ag.dpa)
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"Kampagne gegen rechte Zeitungen" heißt ein neuer Appell, der dafür sorgen soll, dass sechs rechte bis rechtsextreme Blätter aus deutschen Kioskregalen verschwinden. Rund 40 Organisationen haben zum Start schon unterzeichnet. Antifaschistische Gruppen dominieren die Liste, daneben gibt es Einrichtungen wie den Antisexistischen Infoladen Neukölln, aber auch die SPD-Jugend und Verdi sind dabei. Auf der Website der Kampagne - pushforward.blogsport.de - wird wortreich erklärt, warum die Titel Zuerst, Junge Freiheit, Deutsche Militärzeitschrift, Deutsche Stimme, Preußische Allgemeine Zeitung und National-Zeitung gefährlich sind und wie man es anstellen will, "diese menschenverachtenden Zeitungen aus der Öffentlichkeit zu verbannen".
Fragekärtchen als Protestbrief
Der erste Vorschlag zielt auf die Kioskbesitzer ab. Die müsse man direkt ansprechen und über die Gefahr in ihren Regalen aufklären, heißt es. Doch Vorsicht: "Es gibt natürlich auch Kioskbetreiber, die sehr genau wissen, was sie da anbieten und auf Kritik entsprechend reagieren", heißt es in dem Aufruf. Ein weiteres Problem sei es, dass viele Kioske von großen Vertriebsfirmen beliefert würden und ganze Titel-Pakete annehmen und anbieten müssten.
Etwa von der Verlagsunion, einer Tochterfirma von Bauer Media, die Zuerst vertreibt, das jüngste der sechs Blätter, das Ende Juli zum siebten Mal erscheint. Die zweite Firma, die genannt wird, ist die Warenhauskette Real, die der Kampagne zufolge die Titel Zuerst und Preußische Allgemeine Zeitung anbietet. In ihrem Fall wird empfohlen, die in den Märkten ausgelegten Fragekärtchen zur Kundenzufriedenheit als Protestbrief zu nutzen.
Nun darf jeder gegen alles protestieren. Aber man fragt sich schon, was für ein Toleranzverständnis Organisationen wie Verdi und die Jusos haben, wenn sie propagieren, dass Positionen, die sie selbst ablehnen, de facto mundtot gemacht gehören. Der Glaube an die offene Gesellschaft und in die eigenen Argumente kann nicht ganz so fest sein, wenn man meint, dass die Verbannung dem politischen Schlagabtausch überlegen ist.
Denkt man die Utopie der rechts-freien Kioske zu Ende, landet man in einem beklemmenden Szenario: Eine kleine Gruppe, die aber eine große Mehrheit hinter sich weiß, sorgt für ein politisch gesäubertes Medienangebot. Das ist nicht nur grundgesetzfeindlich, das ist letztlich totalitär. Denn diese Form einer privat organisierten Zensur kennt keine Unterschiede, wenn es um den politischen Gegner geht.
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Schönen Dank für Ihre Verteidigung meiner Meinungsfreiheit gegenüber einem "rumbu=
rak2006"!
Überhaupt sind die wenigen, aber sehr zustimmenden Kommentare für den SZ-Journa=
listen eine Freude! Ich glaube allerdings, daß der einzelne, mutige Journalist in dieser
ach so linken SZ in der nächsten Zeit keine Freude am Arbeitsplatz erleben wird. Er muß
nach aller bekannten "Politischen Korrektheit" - sprich Unterdrückung der Meinungsfrei=
heit - mit Pressionen rechnen, warten wir mal ab wie lange er noch "in Amt und Würden"
bei diesem linken Presseoegan bleibt!
Sehr verehrter Herr Hauser,
"genau den Beginn des Artikels bestätigen, dass jeder, der nicht Ihrer - natürlich allein richtigen und seligmachenden - Meinung ist, unter Generalverdacht zu stellen ist"
sie sprechen hier von einer "Meinung", ich spreche von einem Zitat welches inhaltlich verfälscht wurde. Wer wie felixaustria schreibt
"Rosa Luxemburg meinte mit ihrem Spruch "Freiheit ist immer die Freiheit der Anders=
denkenden" lediglich die "andersdenkenden KPD-Mitglieder"
wiewohl das nachweislich falsch ist, wenn man nur das Zitat von ihr LIEST.
Sie sprechen von Generalverdacht und Meinungen. Ich spreche von einem Zitat. Ein Zitat können sie vielleicht interpretieren, aber da gibt es keine "Meinungen". Von daher vergleichen Sie Äpfel mit Birnen.
Was die "couleur" (danke für die Korrektur) betrifft, wer ein historisches, jederzeit nachprüfbares Zitat inhaltlich verfälscht wie felixaustria es tat, dem kann man entweder mangelnden Intellekt oder bösen Willen unterstellen. Und es liegt mir Fern meinen Mitmenschen mangelnden Intellekt zu unterstellen.
Ich kann nur raten, auch mal ein Blick auf die rechten Erzeugnisse zu werfen. Erweitert den Horizont.
Ich hab mir die Zuerst gekauft und sie ist auch für "linke" Menschen interessant zu lesen.
Man kann es nur gutfinden, wenn auch rechts der bürgerlichen Mainstreampresse ein mediales Sprachrohr entsteht.
Ich frag mich ernsthaft, ob sich die Kiosk Blockwarte überhaupt näher mit den Erzeugnisses auseinandergesetzt haben.
Und zur kleinen Minderheit, die eine große Mehrheit hinter sich hat: Das ist leider die Wahrheit. Wer würde denn nicht seine Unterschrift beim "Kampf gegen Rechts" setzen?
Man könnte sich in dieser linken Gesellschaft leicht verdächtig machen. Krampf gegen Rechts fällt mir dazu ein.
Dem Artikel ist nichts hinzuzufügen. Perfekt
Aber ich bin trotzdem überrascht. Nach einigen kritischen Kommentaren muss ich nun feststellen, das liberales Denken in der SZ noch zu Hause ist.
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