Lieblingsserie: The West Wing Wahnsinn im Weißen Haus

Wer die 105 Stunden The West Wing gesehen hat, muss sofort wieder von vorn beginnen. Unser Autor erklärt, warum.

Von Carsten Matthäus

US-Serien laufen im deutschen Fernsehen meist zu unmöglichen Zeiten, werden lange nach dem Start in den USA gesendet - oder sind überhaupt nur auf DVD oder im Pay-TV zu sehen. Dabei sind wir süchtig. sueddeutsche.de-Redakteure bekennen in loser Folge ihre heimlichen Leidenschaften.

Vom ganz alltäglichen Wahnsinn im mächtigsten Politikerbetrieb der Welt.

(Foto: Foto: Warner Bros. Entertainment Inc.)

Sieben Staffeln, 154 Folgen, rund 105 Stunden Fernsehen. Wer sich so einen Riemen antut, muss nicht ganz richtig im Kopf sein. Und es kommt noch krasser: Der Autor dieses Textes fängt jetzt, da er die komplette Serie von vorne bis hinten durchgeschaut hat, einfach noch mal von vorne an. Das kann er, weil er eine Kiste mit der gesamten Serie auf DVD gekauft hat. Gut möglich, dass nach dem zweiten noch ein dritter und vierter Durchlauf folgt.

Der Grund: The West Wing ist so anders und so viel besser als alle Serien dieser Welt. Kein Dosengelächter, keine Klischee-Trottel, kein Gespaße auf Kosten anderer, dafür aber ein Feuerwerk an großartigen Dialogen, Situationskomik, lang angelegten Spannungsbögen und überraschenden Wendungen.

Kaskade an intelligenten Dialogen

Hauptakteure der Serie sind ein fiktiver US-Präsident und sein Beraterstab, der im Westflügel - West Wing - des Weißen Hauses arbeitet. Gezeigt wird der ganz alltägliche Wahnsinn des mächtigsten Politikbetriebes der Welt: Terrordrohungen, Raketentests, Kräftemessen mit Senat und House, Friedensverhandlungen mit Staatspräsidenten, Wahlkämpfe, Pressekonferenzen, Reden an die Nation. Eine Besprechung jagt dabei die nächste, manchmal wird im Weißen Haus übernachtet, nebenbei passieren alle möglichen menschlichen Dramen - Krankheiten, Liebesgeschichten, Entführungen.

Was The West Wing aus allen Serien heraushebt, ist neben der Kaskade an intelligenten Dialogen die Auswahl der Schauspieler. Um nur einige zu nennen: Allison Janney als Pressesprecherin C. J. Cregg hält ihre Journalisten mit unglaublicher Schlagfertigkeit in Schach und John Spencer verkörpert als Stabschef Leo McGarry meisterhaft den schrulligen Polit-Dompteur im Hintergrund.

Mit Ehrungen und Preisen überhäuft

Und warum Martin Sheen nicht - wie der Ex-Schauspieler Ronald Reagan - wirklich Präsident der USA wurde, fragt man sich schon nach wenigen Folgen. Das Zeug dazu hätte er. Eigentlich aber ist jede Besetzung bis in die kleinste Nebenrolle ein Treffer und man freut sich richtig, wenn einer von ihnen zwei Staffeln später wieder auftaucht. Wie bei alten Bekannten.

Die Serie, die von 1999-2006 im US-Fernsehen lief, ist mit Ehrungen und Preisen überhäuft worden. Das liegt nicht nur an den sofort ersichtlichen Merkmalen wie den hervorragenden Schauspielern oder dem hochintelligenten Drehbuch.

Beim zweiten Blick fällt auf, dass die Lichtstimmungen jederzeit passen, das Bühnenbild bis ins kleinste Detail durchdacht ist und selbst mit Frisuren und Haafarben souverän gespielt wird.

The West Wing gibt es nur in englischer Sprache und man tut als Nichtmuttersprachler gut daran, die englischen Untertitel einzublenden. Die temporeichen Referenzen auf Verfassungsartikel und Formulare, viele US-spezifische Abkürzungen machen es selbst dann noch anspruchsvoll. Wenn man sich aber "eingesehen" hat, ist es ein einzigartiges Vergnügen, das mühelos jedes deutsche Fernsehprogramm aussticht, an fast jedem Abend.

Die fünfte Staffel von The West Wing wird ab 15. März um 21:05 Uhr im Pay-TV-Sender FOX Channel gezeigt.