Letzter Talk mit Günther Jauch Adieu, Dackelblick!

Der letzte Auftritt als Talkshow-Gastgeber: Jauch (links) mit Schäuble.

(Foto: dpa)

In seine letzte Sendung hat Günther Jauch einen einzigen Gast geladen: Bundesfinanzminister Schäuble. An ihm beißt er sich die Zähne aus. Fünf Erkenntnisse zum Abschied.

Von Carolin Gasteiger

Am Ende war es nur noch Pflichterfüllung. Als Günther Jauch in seiner letzten ARD-Talkshow überraschend früh an die Tagesthemen übergeben will ("Da kommen wir jetzt nicht weiter.") und sich zuletzt mit Lausbuben-Grinsen von seinen Zuschauern verabschiedet, war ihm eines deutlich anzumerken: "Endlich ist es überstanden."

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Fünf Gründe, warum Jauchs Abschied als Sonntagabend-Talker gerechtfertigt ist.

1. Jauch überlässt den Gästen das Feld.

Günther Jauch – sag zum Abschied leise: NICHT ALLE DURCHEINANDER!

Günther Jauch – sag zum Abschied leise: NICHT ALLE DURCHEINANDER! Quelle: Günther Jauch (ARD) 1.2.2015, 10.5.2015, 28.6.2015, 11.10.2015

Posted by Übermedien on Thursday, November 26, 2015

Viele von Günther Jauchs Talksendungen verliefen so:

Selten konnte sich der Moderator, wenn es in der Runde lauter wurde, durchsetzen. Überhaupt schien Jauch oft scheinbar Unmögliches zuzulassen: Mal wurde die Bühne gestürmt, dann die Deutschlandfahne gehisst und dann erst das Varoufakis-Video!

Vielleicht lud Jauch deshalb nur einen Gesprächspartner ein - um bei seinem Abschied ein Tohuwabohu auf der Bühne zu vermeiden. Einer ist leichter zu händeln als vier. Aber dass ausgerechnet Wolfgang "Mister-Seriösität-in-Person" Schäuble dem Moderator die Butter vom Brot nimmt - man möchte fast sagen, das hat selbst Günther Jauch nicht verdient. Nicht nur, dass der Bundesfinanzminister sich mehrfach über Jauchs altbackene Fragen wundert ("Das ist doch schon längst vom Tisch."), er bringt sogar den ein oder anderen Gag.

Angesprochen auf seinen Lawinen-Flüchtlingsvergleich habe er zur Kanzlerin gesagt: "Es tut mir leid, ich habe bei Ihnen alle möglichen Vorstellungen, aber nicht die eines Skifahrers." Und als Jauch schließlich ob Schäubles Kritik an immer wiederkehrenden Fragen ins Stottern gerät, ermuntert ihn sein Gegenüber: "Nur Mut, nur Mut." Als hätte ihm die Regie heimlich ins Ohr geflüstert: "Schäuble, übernehmen Sie!"

2. Jauch holt weit aus. Sehr weit.

"Am Ende eines Krisenjahres" war Jauchs Abschiedssendung betitelt (ein Schelm, wer daraus auf den Moderator schließt). Aber darüber wollte Günther Jauch nicht nur mit dem Bundesfinanzminister sprechen, sondern auch mit "Deutschlands dienstältestem Abgeordnetem, beliebtestem und wortmächtigstem Minister - und für manche gar heimlichem Kanzler". Heieiei, da wird aber ordentlich gebauchpinselt.

Mit Schäuble einfach nur über die aktuelle Lage zu sprechen - oder eben über das Krisenjahr, wäre auf jeden Fall sendungsfüllend gewesen. Wo liegen die größten Herausforderungen in der Flüchtlingskrise und was sind die nächsten Schritte?

Stattdessen wird zusätzlich Schäubles persönliche Karriere thematisiert, sein Verhältnis zu Angela Merkel (vollkommen loyal, "isch doch klar"), sein Verhältnis zu Helmut Kohl (von Groll keine Spur) und sogar Schäubles verkorkste Kandidatur als Bundespräsident ("Ne, ach bei dieser Debatte - immer dieselben Themen", raunt der genervt). Jedes Thema wird mit den entsprechenden, sendezeitfüllenden Archiv-Einspielern flankiert, sodass vor lauter Rückblicken kaum noch klar ist, wer sich in der Sendung jetzt eigentlich verabschieden will. Jauch oder nicht doch Schäuble?