Küchenkonzerte bei ZDF Kultur Viele Köche rocken den Brei

Für Zuschauer, die erwarten, dass Fernsehen seriös oder schamlos ist, werden die "Konspirativen Küchenkonzerte" eine Zumutung sein. Doch der Erfolg gibt Moderator Marco Antonio Reyes Loredo recht: Er zieht nun vom Offenen Kanal zu ZDF Kultur um.

Von Till Briegleb

Wenn man dem Koch Marco Antonio Reyes Loredo so zuhört, könnte man den Eindruck gewinnen, seine Show sei eines dieser privaten Ekelformate. Nach der vierten Folge der neuen Staffel seiner Konspirativen Küchenkonzerte rannte ein Tontechniker vor die Tür, um sich zu übergeben. In der Sendung davor floh eine Besucherin nach einer Platzangst-Attacke. Und der Pressesprecherin der Produktion ging es anschließend auch nicht so gut.

Schuld daran waren im ersten Fall 200.000 Fliegen, die während dieser alternativen Kochshow in Reyes Loredos Wohnung Gäste und Zuschauer quälten, im anderen Fall dichter Nebel, der die Orientierung unmöglich machte.

Tatsächlich inszeniert Reyes Loredo in seinem kleinen Loft in Hamburg Wilhelmsburg aber nur ein Experiment unbekümmerter Herzlichkeit. Er lädt sich Musiker auf eine winzige Bühne neben den Herd und Künstler für die Dekoration, kocht für das Publikum, was seine Gäste sich gewünscht haben, und plaudert mit diesen beim Bügelbrett-Tischtennis oder im Lastenaufzug im Stil von Versuch und Irrtum.

Nicht jede Frage findet eine Antwort, nicht jede Antwort ist interessant, aber der Umgang ist in einem Maße ungezwungen, normal und dilettantisch, dass dieses Home-Show-Format völlig untauglich für das richtige Fernsehen scheint - und genau darum wachsenden Erfolg hat.

Nach zwei Jahren Verbreitung über 20 Offene Kanäle wird das schräge Kunst-Format ab sofort vom Kulturkanal des ZDF ausgestrahlt. Wobei das Wort "Format" für den freundlichen Mann mit der klaren Aussprache und den markanten Augenbrauen wohl das Schlimmste ist, was man über seine Bemühungen sagen kann.

Eine befreiende Zumutung

Denn Reyes Loredo hasst das deutsche Format-Fernsehen und will erklärtermaßen nur eins: "Kunst und Musik wieder einen Platz auf der Mattscheibe erkämpfen". Da ist es sicherlich ganz hilfreich, dass seine Show zunächst nur im Liebhaberwinkel des Mainzer Senders ausgestrahlt wird. Denn für Zuschauer, die erwarten, dass Fernsehen seriös oder schamlos ist, werden die Konspirativen Küchenkonzerte eine Zumutung sein - wenn auch vielleicht eine befreiende.

An der Grenze

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