Kongress in Köln Funkt es wieder neu?

Die absolute Referenz für Radiomacher: die US-amerikanische Podcast-Serie Serial setzt auch beim "Kölner Kongress" des Deutschlandfunks Maßstäbe.

(Foto: Jakob Berr)

Öffentlich-rechtliche Sender wollen den Podcast-Boom für sich nutzen und auch ein junges Publikum an sich binden. Gefragt sind neue Formen des Erzählens. Wie es das radikal subjektive "Serial" in den USA exemplarisch vorgemacht hat.

Von Stefan Fischer

Serial und noch einmal Serial: Der "Kölner Kongress" des Deutschlandfunks über das Erzählen in den Medien hat am Wochenende bemerkenswert deutlich gemacht, dass Sarah Koenigs mehr als eine Million Mal heruntergeladene US-amerikanische Podcast-Serie der zentrale Bezugspunkt ist, wenn Radiomacher an der Zukunft ihres Mediums tüfteln. Deutschland gilt als Entwicklungsland, in dem es noch immer keine nennenswerte Podcaster-Szene gibt.

Auch wenn die Szene hierzulande tatsächlich überschaubar ist, gibt es aber Unmengen deutschsprachiger Podcasts, Sendungen mit teils fünf-, gar sechsstelligen Downloadzahlen. Diese Produktionen stammen bloß ganz überwiegend vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk und werden dort in der Regel auch im linearen UKW-Programm gesendet. Insofern läuft die Entwicklung in Deutschland anders: ARD und Deutschlandradio produzieren viel von dem, was in anderen Ländern, in denen es kein starkes öffentlich finanziertes Radio gibt, sogenannte Podcaster leisten. Dänemarks Rundfunk hat 2007 seine Feature-Abteilungen weggespart. So entstand eine Lücke: Mit Third Ear hat sich dann in dem kleinen Land ein Podcast-Produzent etabliert - 100 000 Abonnenten hören zu. Die 60-Minüter finanziert inzwischen die Zeitung Politiken, die sich damit Zugang zu einem jungen Publikum erkauft.

Ein Publikum anzusprechen, das nicht mehr UKW hört - darum geht es für die Sender zunehmend. Das bedeutet mehr, als aufwendige Beiträge wie Reportagen, Features und Hörspiele auch auf Kanälen anzubieten, über die jüngere Hörer erreicht werden. Gefragt sind neue Formen des Erzählens. Wie es Sarah Koenig exemplarisch getan hat in Serial mit einem radikal subjektiven Zugang, der ihre Recherche selbst zum Thema macht. Speziell im seriellen dokumentarischen Erzählen sind die Öffentlich-Rechtlichen bislang wenig geübt. Ein halbes Dutzend Serien gibt es inzwischen, zuletzt Bilals Weg in den Terror vom NDR. Sie belegen, dass sich etwas verändert in den Sendern und finanzielle Mittel umverteilt werden. Der Kölner Kongress diente insofern auch der Selbstvergewisserung, auf dem richtigen Weg zu sein.

Radio will nicht das Schicksal des Fernsehens teilen, das für Serien inhaltlich oft nicht mehr gebraucht wird. Es will sich nicht abhängen lassen von einer Podcast-Szene, die es woanders teils besser macht als der Rundfunk.