Kaum ist in der Kika-Affäre das Urteil gegen Herstellungsleiter Marco. K. gesprochen, schon kommen neue Unterschlagungen ans Licht. Nicht nur, dass der Schuldige diverse Trittbrettfahrer hatte, es geht auch um mangelnde Kontrollmechanismen. Der Betrugsfall ist längst zur Krise des MDR geworden.
Vier Prozesstage lang befasste sich das Erfurter Landgericht mit dem Betrugsskandal in dem von ARD und ZDF gemeinsam betriebenen Kinderkanal Kika. Dann fällten die Richter ein vernichtendes Urteil, das nicht nur den Angeklagten empfindlich traf, sondern vor allem auch den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR): Bereits "aus den nackten Daten" ergebe sich, befand der Vorsitzende Richter lapidar, dass es beim MDR "keine effektiven Kontrollen gab".
Bild vergrößern
Der ehemalige Kika-Herstellungsleiter vor dem Erfurter Landgericht: Der Betrugsfall nimmt größere Ausmaße an als erwartet. (© dpa)
Anzeige
Gegen das Urteil, demzufolge der einstige Kika-Herstellungsleiter Marco K. eine Haftstrafe von fünf Jahren und drei Monaten absolvieren soll, haben dessen Verteidiger an diesem Montag Revision eingelegt. Und auch für den MDR ist noch lange kein Ende abzusehen in diesem wohl größten Betrugsskandal in der Geschichte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Denn die Akten im Erfurter Landgericht waren kaum geschlossen, da wurden schon wieder neue Betrugsmeldungen über den Kinderkanal bekannt.
Zwischenzeitlich hatte die Staatsanwaltschaft ein weiteres Ermittlungsverfahren gegen Marco K. eröffnet, in welches auch weitere Kika-Mitarbeiter verwickelt sein sollen. Und so waren, noch während der Prozess lief, Ende Juni klammheimlich neue Durchsuchungen bei dem Kindersender und in Erfurter Wohnungen durchgeführt worden. Wieder geht es bei den Ermittlungen um Scheinrechnungen für nicht erbrachte Leistungen und wieder ist viel Geld im Spiel. Diesmal spricht die Staatsanwaltschaft davon, dass etwa eine halbe Million Euro veruntreut wurde.
Angesichts der bislang bekannten rund 8,2 Millionen Euro, die Marco K. im Laufe von knapp zehn Jahren veruntreut haben soll, könnten die neu entdeckten Unterschlagungen geradezu wie "peanuts" anmuten. Tatsächlich offenbaren sie jedoch, dass der Betrugsfall beim Kika weit größere Ausmaße hatte, als bislang angenommen - nicht nur was die Anzahl der Beteiligten betrifft, sondern vor allem auch, was die offenbar vorhandenen Betrugsmöglichkeiten in dem vom MDR federführend betriebenen Kindersender anbelangt.
Bislang ging man davon aus, dass Marco K. seine mit der Berliner Koppfilm GmbH erstellten Scheinrechnungen beim Kika weitgehend allein eingefädelt hatte. Nun wird hingegen klar, dass der ehemalige Herstellungsleiter beim Kika offensichtlich noch allerlei Trittbrettfahrer hatte, die vermutlich sein Spiel durchschaut hatten und so ebenfalls begannen, in die eigene Tasche zu wirtschaften. Sowohl Daniel H., ein freier Mitarbeiter des Kika, der formell als "Finanz-Controller" in der Herstellungsleitung tätig war, als auch Ronny D., ein weiterer freier Mitarbeiter beim Kika, sollen mit eigens gegründeten Scheinfirmen bei dem Kindersender Geld abgezweigt haben. Allein Daniel H., der dem einstigen Herstellungsleiter aufs Engste verbunden war - er reiste noch kurz vor dessen Verhaftung mit ihm nach Las Vegas - soll auf diese Weise etwa 160.000 Euro für sich "erwirtschaftet" haben.
Insgesamt laufen derzeit noch sechs Ermittlungsverfahren gegen entlasene beziehungsweise noch beschäftigte Kika-Mitarbeiter. Darüber hinaus laufen gegen sieben Geschäftsführer von Firmen Ermittlungen, die ihren Sitz in Berlin, Erfurt und Baden-Württemberg haben. Aber auch die Zeugenaussagen im Prozess gegen Marco K. haben erkennen lassen, dass es mit der administrativen Ordnung wie auch den entsprechenden Kontrollen sowohl beim Kika als auch beim MDR nicht allzu weit her gewesen sein kann.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Thema
- Kika-Affäre RSS
Brasiliens Präsidentin Roussef
Der mdr hat aber auch ein besonders stupides Abendprogramm: "Volksmusik", "Volksmusik", "Volksmusik", "Volksmusik", "Volksmusik", "Volksmusik", Talkshow mit "Volksmusik"mitmachern, dann wieder "Volksmusik", "Volksmusik", "Volksmusik", ...
.
Vielleicht hat diese Langeweile im Sender dazu geführt, dass dort Verantwortliche anderweitig kreativ wurden?
Mit leichter Hand geben öffentlich-rechtliche Sendeanstalten Milliarden EUR für viel zu schlechte und regelmäßig überzogene Unterhaltungs- und Sportsendungen aus.
Der Tourismus auf Kosten der Gebührenzahler hat Ausmaße angenommen, die so nicht mehr zu verantworten sind. Hinzu kommen die permanenten Versuchungen, mit dem leicht verfügbaren Geld auch persönliche Bedürfnisse zu decken.
Vielleicht ist der MDR bisher am meisten durch Korruptionsfälle aufgefallen - aber wer schaut schon den alteingesessenen Anstalten genauer auf die Finger?
Bisher sind die ausufernden Ausgaben immer wieder durch Erhöhung der Gebühren refinanziert worden - mittlerweile ist die Spitze der Fahnenstange erreicht.
Streicht den Halbgöttern der Talkshows, "Volksmusik"gedudels, Sport- und sonstigen "Events" ihre Etats und Honorare zusammen - wir Gebührenzahler wollen nicht mehr ständig drauflegen.
der jetzt Verurteilte mag vielleicht der "Haupttäter" sein, aber wie bereits im Bericht erwähnt müssen m. E. auch die Köpfe darüber rollen, denn die Kontrolle scheint ja Jahre lang nicht funktioniert zu haben - wenn es man überhaupt von Kontrolle sprechen kann...
Das ist nicht aktzeptabel, da die Bürger Zwangsabgaben für die Sender zu entrichten haben und die Sender somit einen sorgfältigen Umgang mit den Gelder gewährleisten müssen.
Aber das ist nicht der einzige Skandal:
Da bekommt eine Fr. Lierhaus für Auftritte für die Glücksspirale 450.000 € pro Jahr. Es tut mir leid, das die Frau krank ist, aber die Krankheit mit so einer Summe zu unterstützen ist unveranwortlich den Zahlenden gegen über.
WM 2010 in Afrika
Da fahren ARD und ZDF jeweils mit min. 600 Leuten zur WM, um von dort zu berichten und das für die Dauer von 6 - 8 Wochen...
Schöner Betriebsausflug auf Kosten der Gebührenzahler.
Das hätten die Sender, sofern man es gewollt hätte, schon effizienter hinbekommen können...
Auch bei der WM wurden somit Unsummen verschwendet...
Solange die Sender keiner richtigen Kontrolle unterliegen und für sie weiterhin von der Politik die Gelder erhalten, haben sie die Möglichkeit mit dem Geld um sich zu schmeissen...
Traurig aber so ist es derzeit...
Danke für Ihre Gebühren...
In einem anderen Beitrag berichtet SZ Online heute darüber, dass ARD/ZDF mit einem jährlichen Gesamtbudget das reichste öffentlich-rechtliche Mediensystem der Welt ist. Ab 2013 dürfte dieses System noch sehr viel reicher werden. So etwas weckt natürlich auch Begehren jenseits der Legalität. Der KIKA-Skandal ist nur der jüngste in einer ganzen Reihe von Skandalen - man denke da z.B. an die Drehbuch-Affäre (Fall Doris Heinze) beim NDR. Nicht allein der MDR, das gesamte öffentlich-rechtliche System sollte endlich grundsätzlich hinterfragt werden.