Kieler Tatort "Borowski und der brennende Mann" Rührende Fahrt ins Gestern

Axel Milberg als Kommissar Borowski im Kieler Tatort

(Foto: NDR/Marion von der Mehden)

Im sehenswerten Kieler "Tatort" versucht Kommissar Borowski alias Axel Milberg, einen Mord an einer dänischen Schule aufzuklären. Stiller Höhepunkt des Films: eine Sequenz, in der Borowski die nackten Beine der ihm zur Seite gestellten Ermittlerin betrachtet.

Von Holger Gertz

Zuletzt hatte der Kieler Kommissar Borowski versucht, den Tod des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel von 1987 nachträglich aufzuklären, ein ziemlich wirrer Tatort war dabei herausgekommen, und am Ende war die Sache mit Barschel auch nicht durchschaubarer. In dieser Episode geht es um einen Mord an einer dänischen Schule und überhaupt um die dänische Minderheit in Schleswig-Holstein, von der sonst überregional nur die Rede ist, wenn in Schleswig-Holstein gewählt wird und der Südschleswigsche Wählerverband sehr kurz aus den Kulissen tritt.

Allerdings streift dieser sehenswerte Tatort (Buch Daniel Nocke, Regie Lars Kraume) die lokalpolitischen Besonderheiten des nördlichen Bundeslandes nur und schwingt sich dann auf zu einer Philosophie über Vertrauen und Vertrauensbrüche. Die Geschichte ist, was Stimmung, Licht und Tiefgründigkeit angeht, eher skandinavisch angelegt, es liegt Schnee, auch auf der Seele des Kommissars.

In dem missratenen Stück mit Barschel damals sprach Axel Milberg als Borowski zwischenzeitlich Französisch und ermittelte in Genf, jetzt ist er zurück, fast wie ein alter Bekannter, der unbeschadet von einem Selbsterfahrungstrip heimgekehrt ist. Der Fall, den er zu klären hat, verliert sich nicht - wie zuletzt ein paar Tatort-Folgen - im Handlungsdickicht. Schon weil als innerer Countdown ein Foto aus alten Tagen zu sehen ist, darauf Menschen, die jetzt, einer nach dem anderen, in Todesnot geraten.

Stiller Höhepunkt: eine Sequenz, in der Borowski die nackten Beine der ihm zur Seite gestellten Flensburger Ermittlerin Einigsen betrachtet. Der Film ist eine Fahrt ins Gestern, und Borowski spürt Regungen, die tief verschüttet waren unter der Last der Jahre. Rührend. Außerdem sehr schön: Frau Einigsen trägt das Trikot des dänischen Fußballers Nicklas Bendtner als Nachthemd.

ARD, Sonntag, 20:15 Uhr

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