Katrin Müller-Hohenstein im Interview Als plötzlich der Terror den Fußball tangierte

Die Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein beim Bayerischen Sportpreis 2014.

(Foto: dpa)

Wenn es um Fußball geht, gerät Katrin Müller-Hohenstein ins Schwärmen. Aber in jüngster Zeit kommen der Moderatorin Zweifel, erzählt sie im SZ-Interview.

Zum Interview kommt die Sportmoderatorin mit Schal und Kapuzenjacke geradezu vermummt in das Münchner Café. Ein wenig Tarnung schadet auch nicht. Denn die große Zahl der Fußballfans in diesem Land kennt auch Katrin Müller-Hohenstein, 50.

Erst mal kriegt ihr Hund Wasser, dann beginnt sie zu erzählen von der Faszination Fußball, von angeblichen Affären mit Spielern und ihrer Sorge, der Terror, der im vergangenen Jahr auch Europa näherte, könne auch den Sport verändern.

Ach, das ist gar nicht Danzig!

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Sie selbst ist Club-Fan und Mitglied des FC Bayern seit mehr als 20 Jahren, nach einem verlorenen Spiel der Nationalmannschaft kann sie auch mal "eine halbe Stunde" heulen. Wenn es um den Sport geht, gerät Katrin Müller-Hohenstein schnell ins Schwärmen. "Heute haben die Spieler eine extreme Fitness. Man muss nur einmal einen Spieler wie Costa ganz aus der Nähe betrachten, was der für einen Dampf hat, eine Energie, einen Antritt, eine Körperbeherrschung. Wenn man sich dagegen ein Spiel von früher ansieht, wirkt das fast wie Zeitlupe, wie ein Altherrenkick."

Das professionelle Reden über den Fußball sei noch immer eine Männerdomäne sagt Müller-Hohenstein, die vor zehn Jahren begann, das Aktuelle Sportstudio zu moderieren. Damals hätten sich viele gefragt, ob eine Frau dazu kompetent genug sei. Aber auch heute noch dürfe man sich bei diesem Thema schon als Mann keinen Fehler erlauben, "dafür ist das Thema Fußball viel zu heilig. Und als Frau gilt das noch viel mehr."

2012 erlebte Katrin Müller-Hohenstein selbst öffentlichen Spott, als sie mit ihrem Kollegen Oliver Kahn die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine kommentierte - in einem Strandstudio auf Usedom. Die Kritik, sagt sie heute, habe sie "gar nicht so sehr berührt", der Vergleich mit der "Touri-Suse von Sonnenschein-TV, die einen Strandkorbverleiher interviewt" eher amüsiert.

Tief bewegt hingegen hätten sie die Ereignisse um das abgesagte Länderspiel in Hannover 2015, als der Terror auch den Fußball tangierte. "Ich habe mich total sicher gefühlt", sagt sie über den Abend im Stadion, "Ich stehe also auf dem Rasen und erzähle alles, lege das Mikrofon aus der Hand, drehe mich um und gehe durch dieses Marathon-Tor wieder aus dem Stadion raus. Da stehen plötzlich 200 schwarzgekleidete Männer mit Maschinenpistolen. Wie aus dem Nichts. Das Spiel war abgesagt."

Dann spricht sie über ihre Zweifel daran, dass die EM in Frankreich in diesem Jahr dennoch ein unbeschwertes Fußballfest werden kann. Zweifel, die ihr persönlicher Silvesterabend befeuert hat.

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