Katholische Kirche gegen Satire-Magazin Papst erzwingt einstweilige Verfügung gegen "Titanic"

Papst Benedikt XVI. hat eine einstweilige Verfügung gegen die Satirezeitschrift "Titanic" erwirkt. Das aktuelle Titelbild zeigt das Oberhaupt der katholischen Kirche mit einem großen gelben Fleck auf dem weißen Gewand. Der Text zum Bild ist äußerst zweideutig. Das Magazin will nun juristisch Widerstand leisten.

Das Satiremagazin Titanic hat sich mit seiner aktuellen Ausgabe Ärger mit dem Papst eingehandelt. Benedikt XVI. erwirkte eine einstweilige Verfügung gegen das Cover der Zeitschrift - es zeigt das Oberhaupt der katholischen Kirche in einer weißen Soutane, mit einem großen hellgelben Fleck im Schritt. "Halleluja im Vatikan - Die undichte Stelle ist gefunden", heißt es dazu in Anspielung an die "Vatileaks"-Affäre um den Verrat von Vatikan-Interna. Auf der Rückseite des Magazins ist der Papst von hinten abgebildet, hier mit einem großen braunen Fleck auf der Kleidung und dem Kommentar "Noch eine undichte Stelle gefunden!".

Die einstweilige Verfügung wurde vom Landgericht Hamburg erlassen, sagte eine Gerichtssprecherin. Darin werde der Zeitschrift untersagt, die Titelseite und die letzte Seite abzudrucken. Bei Zuwiderhandlung werde ein Ordnungsgeld verhängt. Das bedeute aber nicht, dass die sich bereits im Handel befindlichen Hefte zurückgezogen werden müssen.

Benedikt XVI. hatte das Magazin zu einer Unterlassungserklärung aufgefordert, weil er sich durch das Titelbild in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt fühlte. Kurienerzbischof Angelo Becciu aus dem Vatikanischen Staatssekretariat habe im Namen von Benedikt XVI. eine Bonner Kanzlei mit der Durchsetzung der Unterlassung beauftragt, teilte Titanic am Dienstag mit. Die Kanzlei bestätigte den Auftrag aus dem Vatikan. Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, sagte, Titelbild und Rückseite der aktuellen Ausgabe seien rechtswidrig, und würden "jedes Maß an Zumutbarem" überschreiten.

Der Sprecher der Christsozialen Katholiken (CSK) in der CSU, Thomas Goppel, griff den Titanic-Chefredakteur scharf an. Das sei eine "dekadente" Art und Weise des Umgangs mit Persönlichkeiten, unabhängig davon, um wen es sich handle. Im aktuellen Fall werde allerdings nicht nur die Person des Papstes verunglimpft, sondern auch das Amt und die Kirche.

Titanic verbreitet das umstrittene Titelbild inzwischen nicht mehr. Damit werde die einstweilige Verfügung - in der ein Ordnungsgeld von 250.000 Euro angedroht worden sei - befolgt, sagte Chefredakteur Leo Fischer am Dienstagabend der Nachrichtenagentur dpa. Das Magazin hoffe jedoch immer noch auf eine Einigung mit Benedikt XVI. Sollte sie nicht zustande kommen, werde das Heft möglicherweise ohne Titel verkauft. Im Internet wurden die Seiten bereits geschwärzt.

Die Redaktion der Titanic hatte die Vorwürfe zunächst zurückgewiesen. "Benedikt muß uns mißverstanden haben", erklärte Fischer. Der Titel zeige einen Papst, der nach der Aufklärung der Spitzelaffäre ("Vatileaks") feiere und im Überschwang ein Glas Limonade über seine Soutane verschüttet habe. Es sei allgemein bekannt, dass der Papst ein großer Freund des Erfrischungsgetränks "Fanta" sei.

Von der Entscheidung des Gerichts zeigte sich Fischer enttäuscht. "Das ist ein großer Irrtum. Wir setzen nach wie vor auf das persönliche Gespräch mit dem Heiligen Vater", sagte er. Der Spielraum für Satire in Deutschland sei sehr groß. Fischer sei bereit - sofern der Papst an seiner Meinung festhalte -, durch alle juristischen Instanzen zu gehen.