Sie hat das so lange nicht getan: Die Amtskirche, bis hinauf zu dem Mann, der heute Papst ist, hat seinerzeit neue Verbrechen an Kindern nicht konsequent verhindert, als sie von den alten Verbrechen erfahren hat. Sie hat pädophile Priester einfach woanders hinversetzt, sie hat die Fälle von sexueller Gewalt an Schutzbefohlenen der Kirche viele Jahre systematisch verschleiert. Und erst in jüngster Zeit hat sie begonnen, die Schleier abzulegen und wegzureißen - gedrängt von den Opfern und den Medien.
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In der Kirche wird nun Klage geführt darüber, dass dieses Drängen nicht immer in ziemlicher Form geschehe, es wird Klage geführt über den Zorn, die Wut und den Hass, der angeblich in diesem Drängen steckt. Ja, es gibt diesen Zorn, diese Wut und es gibt vielleicht auch Hass - es wäre ein Wunder, wenn es nicht so wäre. Hässliches erzeugt Hass. Eine Kirche, die sich ja als Fachinstitution für den Umgang mit Verfehlungen begreift, darf sich darüber eigentlich zuallerletzt wundern.
Ich selber wundere mich eher darüber, wie wenig reißerisch, wie sachlich und sorgfältig die Berichte über sexuelle Gewalt und Misshandlung trotz alledem ganz überwiegend waren und sind. Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller sieht seine Kirche von den Medien viel zu hart angepackt, er sieht bösartige Kräfte am Werk; er sieht die Kirche einer Verfolgung ausgesetzt wie unter dem Nationalsozialismus. In der Wortwahl steht er alleine. Aber in vielen Predigten wird die Kirche als verfolgte Unschuld präsentiert, bedrängt von einer feindlichen Kampagne, gejagt von antiklerikalen Journalisten, die angeblich aus Lust an der Zerstörung der letzten moralischen Anstalt handeln.
Der Regensburger Bischof Müller hat den Journalisten, die über die Regensburger Domspatzen recherchierten, öffentlich "kriminelle Energie" bescheinigt. Gegen die Kirche, so sagt er, wird gezischt, "als ob man gerade in einem Gänsestall hier die Gänse aufgeweckt hätte". In einer Predigt sprach er von "missbrauchter Pressefreiheit" und von einer "Diffamierungs-Lizenz, mit der man scheinbar legal all diejenigen Personen und Glaubensgemeinschaften ihrer Würde beraubt, die sich dem totalitären Herrschaftsanspruch des Neo-Atheismus und der Diktatur des Relativismus nicht fügen." Es wird bei dieser Medienschelte, bei dieser Verfluchung so getan, als seien die Skandale nicht in der Kirche entstanden, sondern ihr von außen angetan worden.
Der Vorwurf "antikatholischer Propaganda" wird auf den Webseiten der Regensburger Ordinariats erhoben, von einer "primitiven Manipulation und gezielten Volksverdummung" ist die Rede und von einem Journalismus, der "die Wahrheit so unverschämt niederhält", expressis verbis auch in Bezug auf die Süddeutsche Zeitung. Man möchte den heiligen Franz von Sales zu Hilfe rufen: nicht für die Journalisten - sondern für einen maßlosen und uneinsichtigen Episkopus.
Sicher gibt es journalistische Fehlleistungen: Wenn etwa die Schüler vom Regensburger Domspatzen-Gymnasium am Schulhof abgefangen werden, wenn ihnen regelrecht aufgelautert wird, dann ist das eher Stalking als fairer Journalismus.
Solche Verirrungen gibt es, leider, bei anderen Skandalen auch. Aber bei den angeblichen Verfehlungen, die der Regensburger Bischof geißelt, handelt es sich nicht um Verfehlungen, sondern um Journalismus. Eine "ständige Wiederholung von Vorgängen aus alter Zeit" hat der Bischof beklagt, welche nur den Sinn habe, die Kirche als verderbten Laden darzustellen. Er verkennt, wie Journalismus funktioniert; er verkennt, wie Aufklärung funktioniert. Franz von Sales hätte es gewusst.
Es ist gewiss richtig, dass die Fakten, dass die einschlägigen "Fälle" aus den diversen Diözesen und Klöstern immer wieder wiederholt worden sind, weil die neu entdeckten "Missbrauchsfälle" in die alten eingereiht wurden. Das ist aber kein Tort, der der Kirche angetan wird. Es wird auf diese Weise nur der Fortsetzungszusammenhang hergestellt. Das ist bei Skandalen in der Kirche nicht anders als bei denen in der Politik, bei Siemens, BP, VW oder den Banken.
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Staatskrise in Griechenland
Ich habe selten einen so unsachlichen, tendenziellen und unseriösen Artikel in der SZ gelesen. Er reiht sich ein in eine große Zahl aktueller stereotyper Presseveröffentlichungen, die darauf abzielen, die katholische Kirche zu diffamieren. Der Autor und seine Zunftgenossen projizieren das Bild einer katholischen Kirche, wie es die angeblich fortschrittlich liberalen Kräfte im Kulturkampf des ausgehenden 19. Jahrhunderts gezeichnet haben: eine rückständige, barbarische und moralisch verkommene Kirche. Geändert hat sich auch nichts an den Methoden des Kulturkampfes: Die "fortschrittliche moderne Presse" wiederholt immer wieder dieselben mehr oder weniger fundierten Anschuldigungen, verweist immer wieder auf die gleichen Einzelfälle, ohne darauf hinzuweisen, und vergrößert so künstlich das Ausmaß der Vorkommnisse. Tatsächlich gibt es aber keinen Beleg dafür, dass ausgerechnet in der katholischen Kirche besonders viele Missbrauchsfälle aufgetreten sind. Seriöse Untersuchungen belegen sogar das Gegenteil. Auch bescheinigen wissenschaftliche Experten keinerlei Zusammenhang zwischen "Zwangszölibat" und Pädophilie. Es wäre für den Autor ein leichtes gewesen, dies zu recherchieren! Schließlich verkennt der Autor auch den Zusammenhang von Ursache und Wirkung: Es waren katholisch kirchliche Kräfte, die den Stein ins Rollen gebracht haben. Erst nachdem die Kirche mit ihren neuen Erkenntnissen an die Öffentlichkeit getreten war, entstand der Druck auf sie. Nebenbei bemerkt sei, dass sexueller Missbrauch nach neuesten Untersuchungen kein katholisches Phänomen ist. Vielmehr Gefahr droht Kindern in der eigenen, auch protestantischen, Familie durch leibliche Eltern und speziell durch "Patchwork-Eltern". Hier gibt es erschreckend hohe Hellfeldzahlen. Ich vermisse die Empörung und die Entrüstung darüber. Insgesamt werte ich diesen Artikel als unglaublichen und unentschuldbaren polemischen Rückfall in die unsägliche Kampagne des Kulturkampfes, der mit seriösem Journalismus nichts zu tun hat.
zerbrechen Sie sich nicht länger den Kopf darüber, wie man die katholische Kirche vor solchen Anfeindungen schützen kann. Ich ignoriere Herrn Prantl und seine Anhänger mittlerweile einfach, weil ich das bequemer und sogar intellektuell befriedigender finde. Irgendwann erstickt er eh an seiner Hybris...
dilettieren im SZ-Forum bekanntlich einträchtig nebeneinander her. Während in der Online-Version ein Jesuitenprovinzial gelobt wird, findet dieser in der Print-Version überhaupt nicht statt. Welche ist denn nun die von Prantl autorisierte Version?
Dieser brillante und hochwichtige Text hätte fürwahr ein adäquates Lektorat verdient gehabt. Schade.
Was sind denn Ihre "Zeilen"? Sie sind NUR Behauptungen, die im übrigen durch 2 persönliche Erklärungen (em. Bischof W. M in der Bild am Sonntag und in seiner Erklärung vom 23. Juni d.J. "...ich bitte nicht nur um Entschuldigung, sondern vor allem um Verzeihung für alles, was ich nicht recht gemacht habe und vor allen Dingen um Verzeihung bei all den Menschen, die ich nicht in der rechten Weise behandelt habe, deren Erwartungen ich nicht erfüllt habe und die ich enttäuscht habe. Dies tut mir von ganzem Herzen leid." sowie durch die Rücktrittsannahme schon seit Tagen - Wochen widerlegt sind.
Bert Brecht muss auch Sie, @ journalistischer_ethos?, gekannt haben, als er schrieb: "Da sind die Unbedenklichen, die niemals zweifeln. Ihre Verdauung ist glänzend, ihr Urteil ist unfehlbar. Sie glauben nicht den Fakten, sie glauben nur sich. Im Notfall Müssen die Fakten dran glauben."
Bitte, beenden Sie Ihre Kreuzzüge gegen:
- Fakten
- Wissen
- Denken
- Geschichte
- Anderssein.
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