Karnevalssendung "Frankfurt Helau" Empörung über Türken-Witze in der ARD

Eine Möchtegern-Türkin im Mini-Dirndl, die von einer "Festanstellung auf Bewährung" spricht. Die Karnevals-Nummer lief zur besten Sendezeit in der ARD, der Hessische Rundfunk findet das lustig. Türkische Medien und der Landesausländerbeirat verlangen dagegen eine öffentliche Entschuldigung.

Von Friederike Zoe Grasshoff

Eine Frau tänzelt in Stöckelschuhen auf die Bühne. Ein glitzerndes Tuch auf dem Kopf, vor dem Körper eine Kreuzung aus einer türkischen und einer deutschen Nationalflagge. "Ja, guten Abänd, liebe Zuschauer, hier bei Döner TV zeig isch Eusch heute, was ist Integration", sagt die Frau und lässt die Fahne fallen. Ein türkisfarbenes Mini-Dirndl kommt zum Vorschein. "Das ist Integration!" ruft sie in jenem Akzent, der unter Sprachwissenschaftlern als "Kiezdeutsch" anerkannt ist, und wirbt für den fiktiven Sender "Döner TV".

Erfahrungen in der Medienbranche habe sie bereits gesammelt - als Putzfrau beim ZDF. Ihr Bruder "Ahmed" arbeite in einer "geschlossenen Sendeanstalt", da habe er eine "Festanstellung auf zehn Jahre Bewährung".

So geht es weiter - acht Minuten lang. Die Einlage der falschen Türkin ist Teil der Karnevalssendung Frankfurt Helau, aufgezeichnet im Sendesaal des Hessischen Rundfunks, ausgestrahlt am 2. Februar in der ARD, um 20:15 Uhr. Eine Woche später hat es die Prunksitzung in die türkischen Medien geschafft: Die Boulevardzeitung Hürriyet empört sich nun in ihrer europäischen Ausgabe über herabwürdigende Türken-Witze. Und auch in Deutschland gibt es Ärger.

Von "Rassismus zur besten Sendezeit" spricht der hessische Landesausländerbeirat. Der Vorsitzende der Agah (Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte Hessen), Corrado Di Benedetto, fordert eine öffentliche Entschuldigung vom Hessischen Rundfunk.

Er sieht in dem Beitrag eine "gezielte Attacke gegen die türkischen Menschen in Deutschland". Ihm sei es "unverständlich, dass die Verantwortlichen des HR bei der Prüfung nicht eingeschritten sind, gerade vor dem Hintergrund der sogenannten Döner-Morde", sagt Di Benedetto auf Anfrage von Süddeutsche.de.

Der Hessische Rundfunk reagiert mit einer schriftlichen Antwort auf die Vorwürfe. Darin heißt es, der Sender habe es "selbstverständlich" nicht beabsichtigt, "Mitbürger mit türkischem Migrationshintergrund zu verunglimpfen". Klischees gehörten jedoch zur "sprichwörtlichen Narrenfreiheit", die eine Fastnachtssendung wie Frankfurt Helau genieße.