Kabarettist Dieter Nuhr wegen Islamwitzen angezeigt

Der Kabarettist Dieter Nuhr ist wegen seiner Islamsatire von einem Muslim aus Osnabrück angezeigt worden.

(Foto: Jörg Carstensen/dpa)
  • Der Kabarettist Dieter Nuhr ist wegen seiner Sprüche über den Islam von einem Muslim aus Osnabrück angezeigt worden.
  • Erhat Toka ruft zum Boykott von Nuhrs Auftritt in Osnabrück auf.

Anzeige wegen Sprüchen über den Islam

Der Kabarettist Dieter Nuhr macht gerne Witze über den Islam - mit Sätzen wie "Der Islam ist ausschließlich dann tolerant, wenn er keine Macht hat. Und da müssen wir unbedingt für sorgen, dass das so bleibt!" oder "Da wird massakriert, was das Zeug hält, im Namen Gottes". Sprüche wie diese haben Nuhr nun Ärger eingehandelt: Ein Muslim aus Osnabrück hat Anzeige wegen "Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgemeinschaften und Weltanschauungsvereinigungen" gegen ihn erstattet, wie die Neue Osnabrücker Zeitung berichtet.

Demnach wirft Erhat Toka Nuhr vor, in seinem Unterhaltungsprogramm gegen den Islam zu hetzen. Nuhr zitiere den Koran aus dem Zusammenhang und beeinträchtige so das Zusammenleben mit den Muslimen. Toka verweist dabei auf ein Youtube-Video, in dem Auftritte des 53-jährigen Kabarettisten zusammengeschnitten sind. Auf Religionsbeschimpfung stehen bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe.

Geplanter Protest vor Nuhrs Auftritt im Osnabrück

Jetzt ruft Erhat Toka zum Boykott von Nuhrs Auftritt am kommenden Samstag in Osnabrück auf. Ein Foto zum Artikel der Neuen Osnabrücker Zeitung zeigt ihn mit Protestplakaten, auf denen zum Beispiel "Nu(h)r Lüge" oder "Stoppt den Hassprediger!" steht.

Auch der Islamwissenschaftler Bülent Uçar von der Universität Osnabrück wirft Nuhr dem Bericht zufolge "geschmacklose Zoten auf Kosten einer religiösen Gemeinschaft" vor, mit denen er Vorurteile gegen Muslime befördere. Das alles falle zwar unter die Meinungs- und Kunstfreiheit, verdiene aber die Bezeichnung Satire nicht, sagte Ucar.

Der Religionswissenschaftler Reinhold Mokrosch kann der Zeitung zufolge den Protest gegen Nuhrs Islamsatire verstehen, verteidigte aber das Recht des Kabarettisten, einer Glaubensgemeinschaft mit Ironie und Sarkasmus zu begegnen.

Nuhr reagiert empört auf Berichterstattung

Dieter Nuhr bezeichne die Berichte über die Anzeige als "lächerlich", schreibt die Neue Osnabrücker Zeitung. Auf seiner Facebook-Seite postete er den Kommentar: "Bin von Islamisten als "Hassprediger" angezeigt worden, weil ich den Koran richtig zitiert habe. Bitte um regelmäßige Besuche im Gefängnis! Neue Osnabrücker Zeitung holt ausschließlich Meinung bei den Islamisten ein und zeigt sich verständnisvoll. Die Frage ist: Braucht ein Land, das solche Zeitungen hat, überhaupt noch Islamisten?"

Die Neue Osnabrücker Zeitung legt Wert auf die Feststellung, Herrn Nuhr vor der Veröffentlichung mehrfach um Stellungnahme gebeten zu haben. Dieser wiederum bestreitet auf seiner Facebook-Seite von einem Vorbericht gewusst zu haben.