Inkognito in Baku

Jury-Finale beim Eurovision Song Contest /
Beobachtungen aus Baku von Hans Hoff
/ Veröffentlicht am , im Unser Blog aus Baku

Die halbe Arbeit ist getan. Beim ersten Finale am Freitagabend zeigte Roman Lob bereits den Jurys der einzelnen Länder, was er kann. Prominente, wenn auch heimliche, Unterstützung erhielt er von Stefan Raab.

(Foto: AFP)

Eigentlich hatte Stefan Raab gar nicht vor, zum Eurovision Song Contest zu reisen. Nachdem seine Pläne, "TV total" in der Woche vor dem Finale in Baku zu veranstalten, mangels freier technischer Kapazitäten vor Ort zu den Akten gelegt worden waren, begnügte er sich damit, aus Köln zu senden. Es hieß, er wolle dem offiziell als Mentor für Roman Lob eingesetzten Thomas D. nicht die Schau stehlen.

Dann aber hielt es den größten Förderer des ESC in Deutschland doch nicht mehr im Lande. Mehr oder minder heimlich reiste er nach der letzten "TV-total"-Aufzeichnung nach Aserbaidschan. Dort wollte indes niemand bestätigen, dass Raab eingetroffen war. Auch nachdem Judith Rakers, die Moderationskollegin vom vergangenen Jahr, in einem Interview Raabs Reisepläne fahrlässig verraten hatte, wurde von offizieller Seite steif und fest behauptet, man wisse nichts davon.

Während des Jury-Finales am Freitag war es dann aber nicht mehr zu verheimlichen. In wadenfreier Freizeithose und weißem T-Shirt, getarnt mit einem tief in die Stirn gezogenen Käppi, schlich Raab gemeinsam mit seiner Managerin Gaby Allendorf während des Auftakts der Sendung durch Block B01 in der Crystal Hall und schaute sich die 26 Teilnehmerbeiträge vom Regiepult aus an. Die Probe für die Auszählung ersparte er sich indes. Unmittelbar nach dem Beitrag von Moldawien verließ er seinen Platz und strebte dem Backstagebereich zu.

Auch ein anderes Geheimnis wurde in der Nacht zu Samstag gelüftet. Die Besetzung der deutschen Jury, die bereits am Freitag abgestimmt hat und deren Stimmen zu 50 Prozent ins Endergebnis am Samstag einfließen, durfte endlich bekannt gegeben werden. Zugeschaut und abgestimmt haben für Deutschland demnach Anke Engelke, der Schlagersänger Tim Bendzko, seine Kollegin Mietze Katz, der Kindersendungsmoderator Ben und die 1Live-Moderatorin Sabine Heinrich. Dies dürfte die jüngste deutsche ESC-Jury aller Zeiten sein.

Als ältestes Mitglied darf die 46-jährige Anke Engelke heute im großen Finale die deutschen Ergebnisse durchsagen. Die Heimlichtuerei um die Jury war von der European Broadcasting Union eingeführt worden, um sicherzugehen, dass niemand die Juroren der jeweiligen Länder im Vorfeld beeinflusst. In den vergangenen Jahren hatte es da offenbar einige Verdachtsfälle unzulässiger Einmischung gegeben.