Jubiläum der Fernsehserie Happy Birthday, Buffy!

Ganz und gar kein Opfer: Sarah Michelle Gellar als Buffy, die High-School-Schülerin mit Superkräften.

(Foto: imago/United Archives)

Vor 20 Jahren lief die erste Folge von "Buffy - Im Bann der Dämonen". Sie ist noch immer eine der besten Serien der Fernsehgeschichte. Eine Liebeserklärung.

Von Juliane Liebert

Es begann mit einer eigentlich ziemlich simplen Idee des Drehbuchautors Joss Whedon: Wie wäre es, wenn man das Horrorfilm-Klischee vom jungen blonden Dummchen, das innerhalb der ersten fünf Minuten irgendeinem Monster zum Opfer fällt, einfach umdrehte? Wenn es eine junge Frau wäre, die nicht stirbt, sondern zur Heldin wird? Whedon erschuf die Vampirjägerin Buffy und seine feministische Version des Genres war subtil genug, um auch das traditionelle Publikum anzusprechen. Aus voller Absicht: "Wenn ich Teenagerjungs die Idee nahebringen kann", sagte er, "dass ein Mädchen die Situation unter Kontrolle hat, ohne dass sie es bemerken, ist das besser, als sich hinzusetzen, und ihnen Feminismus einzubläuen."

Dieses Mädchen - Buffy Summers, gespielt von Sarah Michelle Gellar - kämpfte sich dann durch sieben Staffeln und in eine Menge Fanherzen. Bis heute hat die Serie begeisterte Anhänger in der ganzen Welt. Die Handlung spielt in Sunnydale, einer amerikanischen Kleinstadt, die auf dem "Höllenschlund" steht, dem Portal zur Unterwelt und somit dem Einfallstor für Dämonen verschiedenster Art. Gemeinsam mit ihren Freunden und einem Mentor trägt Buffy den ewigen Zwist von Gut gegen Böse aus.

Fortschrittlich, witzig und treffsicher

Als "Auserwählte" hat Buffy übernatürliche Fähigkeiten, ist übermenschlich stark. Aber die Produzenten der Serie schafften es, dass sie trotzdem wirkte wie das 'Girl Next Door'. Sie war menschlich in ihrer Übermenschlichkeit. Darin ähnelt sie Batman, der in den Sechzigerjahren so erfolgreich wurde, weil auch er weder ein Mutant war, noch mit irgendwelchen Superfähigkeiten ausgestattet war. Ein Held, mit dem man sich identifizieren konnte.

Das Aufregende an "Buffy" war aber nicht nur die klug konstruierte Hauptfigur. Die Serie mutete ihren Zuschauern Themen zu, die für das Fernsehen der Neunziger noch abseits des Mainstreams lagen: mit Homosexualität, Verrat, und der Konfrontation mit dem eigenen Tod. Wie fortschrittlich, witzig und treffsicher "Buffy" war, zeigt am deutlichsten eine Folge, die schnell zum Publikumsliebling wurde - "Noch einmal mit Gefühl" aus dem Jahr 2001 - und komplett als Musical gedreht wurde.

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Ein Dämon bringt darin die Hauptfiguren zum Singen. Das Dämonenjäger-Team um Buffy hält also sein Krisengespräch singend ab. Die Freunde grübeln, wer der Unruhestifter sein könnte, der sie verhext hat: "Es könnten Hexen sein. Ein paar böse Hexen", singt Buffys Mitstreiter Xander, und murmelt dann - als ihm einfällt, dass Hass auf Hexen ein uraltes, misogynes Klischee ist - verschämt in sich hinein: "Was natürlich lächerlich ist, denn sie wurden von der Kirche verfolgt, lieben die Natur - und Frauenpower und so. Ich verpiss mich dann mal." Zu diesem Zeitpunkt war die Serie sich ihres feministischen Rufs schon so bewusst, dass sie mit den eigenen Mustern ironisch spielen konnte.

Ein paar dieser Songs und Zeilen haben es zu Ewigkeitswert gebracht. Wenn der Vampir Spike (der Mantel, den er immer trug, kostete 2000 Dollar, die Kostümdesigner überfuhren ihn mehrfach mit einem Truck, damit er abgenutzt aussah) singt "Ich werde sie erst retten, dann umbringen - nein, erst umbringen, dann retten", dann ist das eine Zeile, die man auch 2017 noch gut vor sich hinfluchen kann, wenn man jemandem aus der Patsche helfen muss.

"Eine Barbie mit Kungfu-Fähigkeiten"

Mit ihrer humorvollen Vieldeutigkeit hat die Serie nicht nur das Fernsehpublikum fasziniert. Es gibt hunderte akademische Arbeiten über die tieferen Implikationen der Serie und ihre kulturellen Verweisstrukturen. Ein "post-feministischer" Ansatz wird der Serie darin attestiert, eine Wissenschaftlerin schrieb, Buffy sei "eine Barbie mit Kungfu-Fähigkeiten." In einer anderen Arbeit wird Spike als "der gleichzeitige Ausdruck von erotischer Zurückweisung und Anziehung" beschrieben. Das geisteswissenschaftliche Feld, das so entstand, wird "Buffy Studies" genannt - als sei es eine eigene Disziplin.

Man kann zu Recht anzweifeln, ob "Buffy" nun wirklich "die Geburt des Fernsehens als Kunstform ist" - oder ob das goldene Fernsehzeitalter nicht doch erst später mit den "Sopranos" begann. Man muss auch nicht darauf bestehen, dass die Vampire "unterdrückte gesellschaftliche Ängste" verkörpern. Aber wenn man die Dämonen einfach Dämonen sein lässt und Buffy einfach eine Heldin, - dann ist diese Serie immer noch unfassbar unterhaltsam. Gerade läuft eine Petition, die drohende Löschung der sechs Staffeln von Netflix zu verhindern. Man kann ihr nur Erfolg wünschen. Happy Birthday, Buffy.

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