25 Jahre "Die Simpsons" Geschichtsschreibung nach Homer

Die gelben Finger immer im Weltgeschehen: Homer von den "Simpsons".

(Foto: dpa)

"Die Simpsons" sind nicht nur komisch, sie erklären dem Zuschauer die Welt. Von Hitler bis zu Walt Disney, vom Golfkrieg bis zur Kubakrise: Am Ende ist immer jemand aus Springfield schuld.

Von Daniel Lehmann

Seit 25 Jahren und 561 Episoden bekommen wir den Alltag der Familie Simpson zwischen Atomkraftwerk und Einfamilienhaus zu sehen. Die Simpsons sind damit älter als ein Großteil ihrer oft noch jugendlichen Zuschauer. Während die langlebigste Zeichentrickserie der Welt mittlerweile eine beeindruckende eigene Geschichte vorweisen kann, gehören zu ihren charakteristischen Merkmalen stets die Bezüge zur realen Zeitgeschichte.

Die Simpsons sind gezeichnete Gesellschaftskritik und ein motivisches Sammelbecken für die Eigenheiten der westlichen Kultur. Da tritt schon mal ein Arnold Schwarzenegger als tumber US-Präsident auf oder wird Bill Gates als kaltherziger Unternehmer mit skrupellosen Methoden dargestellt.

Der studierte Philosoph Matt Groening, Erfinder der fiktiven amerikanischen Stadt Springfield und ihrer schrulligen Bewohner, geht aber noch weiter. Immer wieder hat er seine Figuren geschickt in die echte Weltgeschichte eingebaut und so eine alternative Realität im Simpsons-Universum geschaffen. Es gibt kaum eine historische Zäsur, kaum einen weltpolitischen Konflikt, in denen Homer und Co. nicht bereits ihre gelben Finger gehabt hätten. Ein kleiner Einblick in die alternative Geschichtsschreibung der Die Simpsons:

"Ein bisschen Homer steckt in jedem von uns"

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Warum Kuba noch kommunistisch ist

Um nach dem Zweiten Weltkrieg den europäischen Wiederaufbau zu unterstützen, druckten die USA laut Groening den wertvollsten jemals erstellten Geldschein: die Trillion-Dollar-Note. Diese sollte von Charles Montgomery Burns, Homers Chef im Atomkraftwerk und reichster Mann Springfields, nach Europa transportiert werden. Dort kam sie allerdings nie an - weil er sie einfach behielt.

Jahre später flüchtet Mr. Burns mit Homer und dem Geldschein im Gepäck vor US-Agenten nach Kuba. Dort werden sie leichtsinnig: Sie erzählen dem Regierungschef und Staatspräsidenten Fidel Castro von der Trillion-Dollar-Note, woraufhin dieser den Geldschein kurzerhand einkassiert - und seine gerade gefassten Pläne ad acta legt, den Kommunismus aufzugeben.

Was Walt Disney und Adolf Hitler gemeinsam haben

Apropos Kommunismus: Offiziell gilt Walt Disney, der Schöpfer von Mickey Mouse, als Patriot und Antikommunist. Er soll sogar eigene Mitarbeiter mit kommunistischer Gesinnung beim FBI denunziert haben. In Matt Groenings Welt war Walt Disney aber selbst Kommunist, wie Grampa Simpson berichtet. Schlimmer noch: Er soll als einer von weltweit zwei Menschen das "böse Gen" besessen haben. Der andere war Adolf Hitler.

Zu Hitler hat Grampa Simpson eine besondere Verbindung. Zwei Mal hätte er ihn beinahe getötet. Bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin trat Grampa für die USA als Speerwerfer an. Sein Wurf zielt versehentlich in Hitlers Richtung - trifft aber einen Attentäter, der Hitler gerade umbringen wollte.

Mmmmmmmh, Statistik!

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Bei einem gemeinsamen Abendessen lachen Hitler und Grampa über den Vorfall. Jahre später konnte der alte Simpson aber nicht mehr lachen: Inzwischen als Soldat an der Front, hat er den deutschen Diktator bereits im Fadenkreuz - als ihn Mr. Burns mit einem Tennisball ablenkt. Dich Chance auf ein vorzeitiges Ende des Zweiten Weltkriegs ist vertan.

Wäre ein Charakter der Simpsons nicht gewesen, hätte noch ein weiterer Diktator eher ins Gras beißen müssen: Krusty der Clown arbeitete zur Zeit des Golfkriegs als Entertainer für die amerikanischen Truppen. Mit seinen Witzen über Saddam Hussein hatte er großen Erfolg. Als er mitbekam, dass der Staatspräsident des Irak durch eine US-Soldatin ausgeschaltet werden sollte, verhinderte er das Attentat, um dadurch auch seine Show zu retten. So blieb Hussein noch bis zum 30. Dezember 2006, ehe er in Bagdad erhängt wurde.

25 Jahre "Die Simpsons": Wofür lieben Sie die Serie?

Seit 25 Jahren und 561 Episoden bekommen wir den Alltag der Familie Simpson zwischen Atomkraftwerk und Einfamilienhaus zu sehen. Zu den charakteristischen Merkmalen der Serie gehören seit jeher die Bezüge zur realen Zeitgeschichte. Diskutieren Sie mit uns. mehr ... Ihr Forum

Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg war nur eine Inszenierung

Neben Ergänzungen und Umschreibungen der Geschichte offenbaren Die Simpsons auch etliche Verschwörungen und Geheimnisse. Beispielsweise wird die Politik rund um den Globus von der "Gesellschaft der Steinmetze" gelenkt, einer Geheimorganisation nach dem realen Vorbild der Freimaurer, deren Mitglieder unter anderem Jack Nicholson und George W. Bush sind.

Und der amerikanische Unabhängigkeitskrieg war nur eine große Inszenierung von König George III., George Washington und Benjamin Franklin. Sie nutzten die Wirren des Krieges, um unbemerkt nach dem sagenumwobenen Juwel von St. Teresa zu suchen, das einer Nonne in einer Vision erschienen war.

Groening reduziert so die amerikanischen Ideale und das Pathos des Unabhängigkeitskrieges auf pure Gier. Das Aufzeigen menschlicher Schwächen ist ein Grundelement in seiner Kritik - ob Homers Naivität, Mr. Burns' Unvorsichtigkeit oder Krustys Egoismus. Auch in Zukunft werden sich deshalb Figuren aus Die Simpsons in die Geschicke der Menschheit einmischen - und dadurch alles noch schlimmer machen.

Lesen Sie hier, warum der Humor der Simpsons an seinem eigenen Erfolg gescheitert ist.