VI. Die Geschäfte

Pünktlich zur Jubiläumsfeier hatte Vorstandschef Hartmut Ostrowski vor zwei Wochen gute Nachrichten parat. Er meldete für das erste Halbjahr 2010, sicher zur Freude von Liz Mohn, einen Gewinnsprung: "Das operative Ergebnis hat Rekordniveau erreicht." Und Finanzchef Thomas Rabe erhöhte sogar die Prognose fürs Gesamtjahr: Der Gewinn soll nun bei mehr als 500 Millionen Euro liegen, der Umsatz steigen. Dabei kommt den Güterslohern die Erholung der Werbemärkte zugute: RTL macht gute Geschäfte, Gruner + Jahr legt wieder zu.

Vor allem aber macht sich der harte Sparkurs 2009 bemerkbar. Alles kam auf den Prüfstand, viele Jobs, auch in der Zentrale, wurden gestrichen, etwa eine Milliarde Euro Einsparungen kamen so zustande. Es war ein bitteres Jahr: Unter dem Strich stand sogar ein Nettoverlust von 82 Millionen Euro, das erste Minus der Firmengeschichte. Offiziell freilich wurden 35 Millionen Gewinn genannt - davon musste man den Anteil, der bei der RTL Group an fremde Gesellschafter geht, abziehen. Schlecht für die PR im Jubiläumsjahr. Trotzdem wurden 60 Millionen Euro an Stiftung und Familie ausgeschüttet. Und noch immer drücken den Konzern hohe Schulden, die aus einer tollkühnen Idee Liz Mohns resultieren: Sie ließ einen Konzernanteil von 25 Prozent, den Baron Albert Frère besaß, für 4,5 Milliarden Euro zurückkaufen. Zahlen muss die AG dafür.

Bilanzpressekonferenz Bertelsmann AG mit Hartmut Ostrowski (links), und Finanzvorstand Thomas Rabe.

Bild: ddp 16. September 2010, 15:182010-09-16 15:18:50 © sueddeutsche.de/berr