Islamischer Zentralrat Schweiz In der Schweiz hätte dieser Verein keinen Auftritt bekommen

Bei "Anne Will" provoziert eine Vertreterin des "Islamischen Zentralrats Schweiz". Dabei sind die radikalen Verbindungen des Vereins längst bekannt.

Von Charlotte Theile, Zürich

Wenn deutsche und schweizerische Talkshows Gäste aus dem Nachbarland einladen, ist der Skandal fast schon programmiert. Der Schweizer Rechtspopulist Roger Köppel von der Zeitschrift Weltwoche produziert im deutschen Fernsehen immer mal wieder ein Skandälchen. Am Freitagabend dann versetzte AfD-Vize Alexander Gauland mit seinem Auftritt in der Arena des Schweizer Fernsehens die rechtskonservative Szene in ganz Europa in Aufruhr. Die Entscheidung der Anne-Will-Redaktion, am Sonntagabend Nora Illi vom Islamischen Zentralrat Schweiz (IZRS) einzuladen, wirft aber noch einmal ganz andere, viel grundsätzlichere Fragen auf.

Schweizer Muslima empört bei "Anne Will"

Gast in der ARD-Sendung ist Nora Illi, Frauenbeauftragte des "Islamischen Zentralrats Schweiz". Dieser habe, so räumt Will selbst ein, eine "radikalislamische bis islamistische Ausrichtung". mehr ...

Der IZRS ist, anders als es der Name vermuten lässt, keine Vertretung der Schweizer Muslime. Nora Illi, die vollverschleiert im deutschen Fernsehen auftrat, steht für eine kleine, radikal-salafistische Strömung, die in der Schweiz in den vergangenen Jahren immer wieder Konflikte provoziert hat. Dem IZRS wird vorgeworfen, Muslime zum Dschihad aufzurufen und die Schweizer Gesellschaft bewusst zu spalten. Immer dann, wenn sich kulturelle Differenzen auftun - zum Beispiel, weil ein Mädchen nicht am Schwimmunterricht teilnehmen will oder sich zwei Schüler weigern, ihrer Lehrerin die Hand zu schütteln -, kommt der IZRS ins Spiel.

Er ergreift stets Partei für die radikale Auslegung des Islams, unterstützt die Glaubensbrüder finanziell - und erledigt ihre Pressearbeit. Das Geld dafür erhält der IZRS mutmaßlich aus dem Nahen Osten. Qaasim Illi, der Ehemann von Nora, ist immer wieder in Kuwait, Katar oder im Jemen unterwegs. Die Verbindung zur saudischen Islamischen Weltliga dementiert der Zentralrat zwar - im Fall von zwei Jungen, die ihrer Lehrerin den Handschlag verweigerten, war diese Nähe jedoch ganz offensichtlich: Der Vater der beiden Jungen predigte als Imam in der Basler König-Faysal-Moschee. Die Stiftung hinter dieser Moschee wurde immer wieder vom saudischen Staat unterstützt. Ihr wird vorgeworfen, radikales islamisches Gedankengut zu fördern.

"Das sehen jetzt Millionen Muslime, das ist ein großer Propaganda-Sieg"

Eine Frau, die diese Verbindungen immer wieder in die Öffentlichkeit bringt, ist Saida Keller-Messahli vom Forum für einen fortschrittlichen Islam. Für sie ist der IZRS Teil eines größeren Plans, der die Muslime in der Schweiz radikalisieren soll. Dem dürfe man keinen Zentimeter weit nachgeben, sagt Keller-Messahli. "Der Auftritt von Frau Illi ist schon jetzt auf Arabisch übersetzt und läuft überall auf Youtube", sagt sie aufgebracht. "Das sehen jetzt Millionen Muslime, das ist ein großer Propaganda-Sieg." Keller-Messahli ärgert sich über die deutsche Talkshow: "Es hätte wirklich genug andere muslimische Frauen gegeben, die man hätte einladen können."

Der NDR verteidigte die Einladung Illis: "Für das gewählte Thema der Sendung und in Kombination mit den anderen Gästen hielten und halten wir ihre Teilnahme für vertretbar und richtig. Die Zusammensetzung der gesamten Diskussionsrunde und deren Leitung durch Anne Will hat zu einer ebenso angemessenen wie notwendigen Auseinandersetzung geführt. Die umstrittene Haltung von Frau Illi, zum Beispiel zur Problematik der Ausreise von Jugendlichen nach Syrien, ist deutlich zu Tage getreten und heftig debattiert worden."

So flimmerten direkt nach dem Tatort die Botschaften des IZRS über den Bildschirm: Der Widerstand in Syrien sei "absolut legitim", die Vollverschleierung durch den Niqab biete Frauen "Selbstbestimmung und Freiheit." In der Schweiz wäre dem IZRS, der vor allem aus Konvertiten besteht, ein solcher Auftritt wohl nicht mehr möglich gewesen.

Hier ist Qaasim Illi, der Ehemann von Anne Wills Talkshow-Gast, seit Jahren berüchtigt: Als radikaler Jesus-Freak, als Rechtspopulist, als Antisemit, als Party-Veranstalter. In einem vielbeachteten Porträt hatte die linke Wochenzeitung WOZ unlängst die Verbindungen des "Dschihad-Jetsetters" Illi auseinandergenommen. Die Nähe zum Islamischen Staat, die undurchsichtigen finanziellen Verbindungen nach Saudi-Arabien, das bewusste Instrumentalisieren kultureller Konflikte - all das ist den Schweizer Medien inzwischen bekannt. Die Tarnung als fromme Vertretung der schweizerischen Muslime, mit der es Nora Illi zu Anne Will geschafft hat, ist aufgeflogen.

In Deutschland ist es den Medienprofis des IZRS nun gelungen, zur besten Talk-Sendezeit einen großen Auftritt zu bekommen.

Wie sollte mit radikalen Positionen in Talk-Shows umgegangen werden?

Die Schweizer Muslima Nora Illi sorgt in der ARD-Talksendung "Anne Will" mit Aussagen zur Rolle der Frau im Islam und zum IS für Empörung. "Das ist Propaganda", sagte Ahmad Mansour in der Sendung. Sollte man in Talk-Shows auch radikalen Aussagen Raum geben? Diskutieren Sie mit uns. mehr ...