Internetfernsehen Snap Wie es euch gefällt

Snap statt DVD-Box - der Sender setzt eher auf ältere Serienlieblinge wie die Sopranos.

In den USA guckt längst jeder, wann und was er möchte. Der Bezahlsender Sky versucht jetzt mit einem Internetportal nach US-Vorbild in Deutschland nachzuziehen. Eine große TV-Revolution sollte man allerdings nicht erwarten.

Von Claudia Fromme und Katharina Riehl

Am Dienstagabend um 20.39 Uhr, noch bevor der FC Bayern auf seine Niederlage gegen Manchester City hinspielte, ließ der Bezahlsender Sky die Welt der Champions League lila werden. Eine freundliche Damenstimme erklärte, unterbrochen von rhythmischen Fingerschnipsern, folgendes: "Es ist Zeit für Unterhaltung auf Abruf in neuer Dimension".

Dahinter stand ein Markenname, den bisher keiner kannte und der auch nicht weiter erklärt wurde. Innerhalb weniger Minuten sorgte das in einschlägigen Netzforen für aufgeregte Diskussionen. Die Frage war: Startet Sky eine Art deutsches Netflix, also eine Online-Videothek, die für schmales Geld Filme und TV-Serien bietet?

Unterhaltung in einer neuen Dimension

Ein paar Stunden vor Anpfiff sitzt Brian Sullivan, der deutsche Sky-Chef aus Amerika, in seinem Büro in Unterföhring, an seinem dunklen Sakko pinnt eine Anstecknadel mit dem Firmennamen. Auch Sullivan schnipst hin und wieder mit den Fingern, wenn er spricht, was wahrscheinlich seine Art ist, aber auch hervorragend zu seiner Botschaft passt. Die Botschaft heißt "Snap", was nicht nur auf Deutsch "Fingerschnipsen" bedeutet, sondern vor allem für das Fernsehunternehmen Sky die mögliche Eroberung eines Marktes, den manch einer in der Branche für die Zukunft hält.

Snap ist ein Video-On-Demand-Service, eine Internetplattform, auf der man Filme und Serien ansehen kann, mit einem Passwort kann sich jeder Kunde von überall her in die Online-Videothek einloggen. Eine Auswahl von Filmen und Serien - zum Start sollen es etwa 4000 sein, später einmal 10 000 - können dort als Videostream angesehen werden; eine Sky-Box im Wohnzimmer braucht man nicht. Man muss nicht mal Abonnent sein und mindestens 34,90 Euro im Monat abdrücken.

Das Bedürfnis nach Abrufbarkeit wächst auch in Deutschland

Es ist nicht das erste Portal dieser Art, Pro Sieben Sat 1 etwa betreibt Maxdome, die Telekom hat Videoload, und zum Allesverkäufer Amazon gehört Lovefilm. Brian Sullivan spricht sogar von 60 Angeboten in Deutschland. Spannend an Snap aber ist, dass sich nun Sky - jene Firma also, die in den vergangenen Jahren mit langsamem, aber stetig zunehmendem Erfolg versucht, den Deutschen das bezahlte Fernsehen beizubringen - nun auf diesen Markt wagt. In Deutschland wächst das Bedürfnis nach Fernsehen überall und jederzeit, auch weil die meisten leistungsfähige Smartphones oder Computer besitzen.

Da wächst eine neue Zielgruppe, und was Sky nun plant, ist der Versuch, Menschen zu erreichen, die man mit Bezahlfernsehen besser gleich im Internet abholt. Snap kostet 4,90 Euro im Monat für alle, die Sky abonniert haben, und 9,90 Euro für alle anderen. Das ist teurer als vieles bei der Konkurrenz, die meist zwischen 4,99 und 8,90 rangiert, aber Sullivan sagt, dass man Snap gerne zu einem höheren Preis angeboten hätte. Zehn Euro seien aber eine psychologische Grenze.