International Emmy für deutsche Schauspielerin Im Moment des grellsten Lichts wäre Christiane Paul lieber woanders

Christiane Paul kann auch posen, wenn es denn sein muss und ihr das Blitzlichtgewitter auf irgendeinem roten Teppich keine Wahl lässt.

(Foto: AFP)

Sie hat als Ärztin gearbeitet. Als Schauspielerin weiß die Emmy-Gewinnerin, was sie nicht mehr will: belanglosen Quatsch.

Profil von Hans Hoff

Die Vorstellung, dass Christiane Paul mal laut werden könnte, ist eine völlig absurde. Zwar sagt sie selbst von sich, dass das vorkommen könne, aber glauben will man das nicht, wenn man sie eine Weile erlebt, wenn man spürt, wie wenig ihr daran liegt, sich durch übertriebenes Getöse Respekt zu verschaffen. Paul ist eine stille Wirkerin, sie kann wunderbar zuhören, was man von anderen in ihrem Beruf eher selten behaupten kann. Paul ist auch mal still, wenn es nichts zu sagen gibt.

Natürlich kann sie auch posen, wenn es denn sein muss und ihr das Blitzlichtgewitter auf irgendeinem roten Teppich keine Wahl lässt. Sie kann das, weil sie in der Steinzeit ihres Berufslebens auch mal als Model gearbeitet hat, aber lieb ist ihr das nicht, diese Zurschaustellung des puren Äußeren.

Paul ist eine, die mit ihrer auf den ersten Blick mädchenhaften Erscheinung auch nach Jahren des Erfolgs bei öffentlichen Auftritten immer noch ein bisschen unsicher ausschaut, so als gehöre sie nicht hinein in diese Welt voller Glamour und Glitter, als wäre sie im Moment des grellsten Lichts lieber woanders. Bei ihren Kindern beispielsweise, von denen die 42-Jährige sich viel lieber den Alltag diktieren lässt als von irgendwelchen Regisseuren. Nicht dass sie ihren Beruf nicht lieben würde, aber die Prioritäten in ihrem Leben sind klar gesetzt.

Anfangs war die Schauspielerei eher ein Probieren als ein Können

Vielleicht hat dieses offensichtliche Nichtdazugehören damit zu tun, dass der Lebensweg von Paul nie so klar gezeichnet war, dass er auch schon mal auf Umwegen verlief. Schließlich hat sie Medizin studiert, promoviert, als Ärztin gearbeitet, und anfangs war das mit der Schauspielerei daher oft eher ein Probieren als ein Können.

Aber sie hat sich da reingeworfen, hat überstanden, dass man sie in den 90er-Jahren auf ihr Äußeres zu reduzieren versuchte, dass man ihr ein zu schönes Gesicht attestierte. Ein Gesicht, gegen dessen gelegentliche Starre sie anspielen musste. Aber sie hat mit den Jahren gelernt, mit diesem "Makel" umzugehen, sich auf das Innere der Rollen zu konzentrieren anstatt auf ihre Selbstvermarktung.

Das hat sich ausgezahlt, denn wer sie heutzutage engagiert, bekommt eine, die sehr genau weiß, was sie will, die aber noch genauer weiß, was sie nicht will. Keinen belanglosen Quatsch mehr, bitte sehr. Dass sie nun in New York für ihre Rolle in dem ARD-Thriller "Unterm Radar" einen Emmy zugesprochen bekam, ist daher nur folgerichtig. Es hebt sie noch ein Stückchen weiter heraus aus der Masse all jener Kollegen, die an Rollen nehmen müssen, was sie kriegen können.

Für Paul bringt der Emmy nun eine noch größere Unabhängigkeit als sie sich ohnehin schon erarbeitet hat. Sie kann nun noch wählerischer sein, was neue Rollen angeht. Sie kann noch intensiver tun, was sie am besten kann: Unaufdringlich wirken und hinter dieser vermeintlichen Fassade eine sehr große mimische Kraft entfalten.

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