Intendantenwahl beim MDR Drei Aspiranten für einen Herkules-Job

Es geht um einen der einflussreichsten Posten in der Medienlandschaft Mitteldeutschlands: Der MDR-Verwaltungsrat hat für die Wahl des Intendanten eine solide Juristin mit SED-Vergangenheit, einen Außenseiter ohne viel Fernseherfahrung und einen geheimnisvollen Dritten ausgewählt. Einer von ihnen soll den trudelnden Sender wieder auf Kurs bringen.

Von Christiane Kohl

Es ist die wohl wichtigste Medien-Entscheidung in Ostdeutschland - es geht um die Frage, wer künftig Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks werden soll, jener Drei-Länder-Anstalt, die mit ihren rund 2000 Mitarbeitern bundesweit die höchsten Einschaltquoten aller dritten Programme der ARD verzeichnet.

Mit Spannung war daher das Treffen des Verwaltungsrats erwartet worden, der am Dienstagabend unter Vorsitz des einstigen thüringischen Kultusministers Gerd Schuchardt (SPD) zusammentrat. Eine streng geheime Sitzung, ihr einziger Tagesordnungspunkt war es, ein Paket von geeigneten Kandidaten zu schnüren, denen die Führung des Leipziger Senders zuzutrauen wäre. Denn es geht gewissermaßen um eine Herkules-Aufgabe - schließlich gilt es, den MDR, der in den vergangenen Monaten durch zahlreiche Skandale ins Trudeln geraten war, wieder auf Kurs zu bringen.

Schon im Vorfeld der Sitzung war deshalb viel über mögliche Kandidaten spekuliert worden. Nachdem der langjährige MDR-Gründungsintendant Udo Reiter in diesem Frühjahr nach 20 Jahren überraschend seinen vorzeitigen Abschied verkündet hatte, war es notwendig geworden, einen Nachfolger zu finden. Die Wahl ist für den 26. September terminiert.

Und so sollte der Verwaltungsrat jetzt in vertraulicher Runde ein Tableau von geeigneten Kandidaten vorschlagen. Entsprechend schweigsam blieben die Teilnehmer hernach: "Wir hatten eine intensive Beratung in sehr guter Atmosphäre", erklärte Schuchardt am Dienstag, dann sei die Kandidatenauswahl "einstimmig getroffen worden".

Mehr verlautete nicht aus offizieller Quelle. Indes ließ sich erfahren, dass das Gremium sich auf "zwei bis drei Persönlichkeiten" geeinigt hat, die Anfang September zu einer Vorstellungsrunde geladen werden sollen. Darunter sind zwei Namen, über die zuletzt viel spekuliert worden: Bernd Hilder, der Chefredakteur der Leipziger Volkszeitung (LVZ), sowie Karola Wille, die im MDR als stellvertretende Intendantin wirkt. Wille, 52, die als Juristin einen recht schnellen Aufstieg im MDR machte, gilt als die Wunschkandidatin vieler MDR-Mitarbeiter wie auch der eher linksliberal orientierten Mitglieder in den MDR-Gremien. Allerdings wird der gebürtigen Chemnitzerin angekreidet, dass sie zu DDR-Zeiten in der SED war und sich auch in einer Doktorarbeit aus jenen Jahren wohlwollend über "die Vorzüge des Sozialismus" äußerte. Zudem ist Wille eine Verwaltungsfrau, Politikern gegenüber gibt sich die Juristin eher scheu.

Jemand von außen, der aufräumt im Sender

Der LVZ-Chefredakteur Hilder gilt als Vorschlag der sächsischen Staatskanzlei. Deren Chef, Staatsminister Johannes Beermann (CDU), macht keinen Hehl daraus, dass angesichts der jüngsten Kette von Peinlichkeiten im MDR unbedingt ein Kandidat von außen gewählt werden müsse, der im Sender mal kräftig aufräumen solle. Ob Hilder, 52, hierfür tatsächlich der geeignete Mann ist, wird allerdings selbst unter Konservativen bezweifelt. Der Journalist, der in seiner Jugend mal Hörfunkkorrespondent in Südamerika war und über allerlei Regionalzeitungen nach Leipzig gelangte, bringt nicht viel Fernseherfahrung mit.

Und so richtet sich alle Erwartung auf den unbekannten Dritten, der zurzeit noch beim WDR arbeitet, und um dessen Namen man ein großes Geheimnis macht. Wie aus Kreisen des Verwaltungsrates verlautete, soll es sich um einen stellvertretenden Direktor beim WDR handeln. Indes ist offenbar noch unklar, ob der Kölner TV-Manager überhaupt Interesse an dem Posten hat. Vorgeschlagen wurde er aus den Reihen der Konservativen, möglicherweise vom sächsischen Staatskanzleichef selbst, der zwar nicht im Verwaltungsrat sitzt, jedoch gern Strippen im Hintergrund zieht. Angesichts der Tatsache, dass der LVZ-Mann Hilder selbst von Konservativen abgelehnt wird, könnte der Außenseiter Hoffnungsträger sein.

Am 5. September sind wir alle klüger", sagt Schuchardt. An diesem Tag sollen sich die Kandidaten dem Gremium vorstellen. Dann müssen sich die sieben Mitglieder des Rates, von denen je zwei aus Thüringen und drei aus Sachsen kommen, auf einen gemeinsamen Vorschlag für den Rundfunkrat einigen, dessen 43 Mitglieder schließlich am 26. September den Intendanten wählen.

In dem Gremium aus Vertretern von Parteien, Verbänden und Kirchen ist eine Zwei-Drittel- Mehrheit erforderlich. Eine schwierige Hürde, wer sie überwindet, wird viel zu tun haben: Der Posten des MDR-Intendanten gilt als sehr einflussreich in der Medienlandschaft Mitteldeutschlands.

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