Insolventes Münchner Boulevardblatt Straubinger Verleger erhält Zuschlag für "Abendzeitung"

Der neue Boss: Verleger Martin Balle hat die Abendzeitung gekauft und will Print- und Onlineausgabe erhalten.

(Foto: Armin Weigel/dpa)

Der Verleger Martin Balle übernimmt die insolvente "Abendzeitung". Mit seinem Plan für die Zeitung konnte der Niederbayer den Gläubigerausschuss überzeugen. Damit ist das Münchner Boulevardblatt gerettet - und zumindest ein Teil der Arbeitsplätze.

Von Claudia Fromme

Die Abendzeitung ist gerettet. Neuer Besitzer soll der niederbayerische Verleger Martin Balle werden. Am Dienstag stimmte der Gläubigerausschuss des insolventen Münchner Boulevardblattes für den Verkauf an Balle, der als einziger Interessent die gedruckte Zeitung und das Onlineangebot erhalten wollte. Am Mittwoch soll der Kaufvertrag unterschrieben werden. Balle gibt unter anderem das Straubinger Tagblatt heraus und verlegt ein Dutzend Lokal- und Regionalzeitungen in Niederbayern.

Die wirtschaftliche Verantwortung werde er tragen, erklärte der Verleger am Dienstag, die Herausgeberschaft werde er sich mit Dietrich von Boetticher teilen, dem das Verlagswesen ebenfalls nicht fremd ist. Der Münchner Wirtschaftsanwalt und Rennpferdezüchter hatte in den neunziger Jahren in das defizitäre DDR-Blatt Wochenpost investiert und fast die Hälfte der Anteile der Woche gehalten. Den lädierten linksliberalen Luchterhand Literaturverlag baute Boetticher seinerzeit zu alter Größe auf, bis er ihn an Random House verkaufte.

Mit im Rennen um den Zuschlag für die Abendzeitung waren auch Dirk Ippen, der Herausgeber des Münchner Merkurs und des lokalen Boulevardblatts tz sowie der Süddeutsche Verlag, in dem auch die Süddeutsche Zeitung erscheint. Beide hatten Angebote abgegeben - allerdings nur für den Internetauftritt. Schon vor der Entscheidung am Dienstag hatte sich abgezeichnet, dass Balle die größte Chancen haben würde, weil sein Angebot für Print und Online das größte Potenzial hat, die meisten der 94 Stellen in Verlag und Redaktion zu erhalten.

Die Zeit drängte, nur noch bis Ende Juni war das Erscheinen der 1948 gegründeten Abendzeitung gesichert, und das war schon die Verlängerung. Eigentlich hätte das Boulevardblatt ohne Käufer schon Anfang des Monats eingestellt werden müssen, hätte die AZ nicht versucht, sich aus eigener Kraft länger am Markt zu halten, um die Chance auf einen Verkauf zu erhöhen. Die Voraussetzungen dafür hatte der Insolvenzverwalter Axel Bierbach geschaffen. Er hatte mit der Frankfurter Societät eine Senkung der Kosten für den Druck in Maisach bei München ausgehandelt, deren Höhe mitverantwortlich war für die Misere der Abendzeitung. Zugleich hob er den Verkaufspreis an, um 66 Prozent von 60 Cent auf einen Euro während der Woche und samstags von 80 Cent auf 1,20 Euro. Entgegen der Erwartungen waren die Verkaufszahlen direkt nach der Erhöhung nur um zehn Prozent gesunken.

Die bisherige Eigentümerfamilie Friedmann, die auch 18,75 Prozent am Süddeutschen Verlag hält, hatte Anfang März beim Amtsgericht München einen Insolvenzantrag gestellt. Johannes Friedmann sprach von einem "hoffnungslosen Fall". Seit 2001 hätten sich die Verluste auf etwa 70 Millionen Euro summiert, das Jahr 2013 endete mit einem Minus von etwa zehn Millionen.

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