Innovatives Online-Magazin Gärtnern mit dem Leser

1,1 Millionen Euro haben Niederländer schon für ein Online-Magazin bezahlt, das es noch gar nicht gibt. Das Konzept: Jeder Autor bekommt einen eigenen Themenbereich, einen "Garten", in dem er machen kann, was er will. Ein zukunftsfähiges Konzept?

Von Niklas Hofmann

Eine Frist von dreißig Tagen hatten sich die Macher von De Correspondent gesetzt, um ihr Startkapital zusammenzubringen. Gebraucht haben sie bloß acht Tage, dann waren die angepeilten 900.000 Euro beisammen. Und der so großzügige Finanzier war nicht etwa eine Bank oder ein Venture-Kapitalist, es waren die künftigen Leser der niederländischen Online-Publikation selbst. Mehr als 18.000 Menschen haben sich bis heute für 60 Euro Jahresgebühr als zahlende "Mitglieder" eines Angebots registriert, das hochwertigen Journalismus verspricht, sich aber erst in der Entwicklungsphase befindet.

Der fast 1,1 Millionen schwere Vertrauensvorschuss ehrt das Team um Chefredakteur Rob Wijnberg und Harald Dunnink, dessen Amsterdamer Webdesign-Firma Momkai die edel wirkende Optik entwickelt hat. Viele Details sind noch unklar, aber De Correspondent soll ein Autorenmagazin werden, komplett werbefrei. "Eine Plattform, auf der man die interessantesten Journalisten finden kann. Man begleitet sie auf ihrer Reise", erklärt Wijnberg.

Jeder Autor bekomme einen eigenen "Garten", in dem er machen könne, was er wolle - und sich so viele Menschen einladen, wie er möge. Der laufende Austausch mit den Lesern wird zentral sein. Täglich soll es neue Artikel geben, aber man will sich nicht von der Tagesagenda treiben lassen. Die Macher haben ein programmatisches "Manifest" ins Netz gestellt. "Van nieuws naar nieuw" bewege man sich, heißt es dort, von den Nachrichten hin zum Neuen.

Alte Hasen

Rob Wijnberg ist zwar erst 30 Jahre alt, aber in der niederländischen Medienlandschaft ein alter Hase, der schon mit 19 Jahren eine feste Kolumne bei der Boulevardzeitung De Telegraaf hatte und zuletzt als Chefredakteur zwei Jahre lang die Zeitung nrc.next leitete, einen an junge Leser gerichteten Ableger der seriös-gediegenen NRC Handelsblad.

Zu den künftigen Autoren von De Correspondent gehören etwa der Bestseller-Autor Arnon Grünberg oder der heute 85 Jahre alte Henk Hofland, der 1999 als niederländischer "Journalist des Jahrhunderts" geehrt wurde. Handelt es sich also bei dem Abonnenten-Run um ein Phänomen, das nur durch eine einzigartige Bündelung prominenter Namen erklärlich ist? "Es wäre sehr deprimierend anzunehmen, dass es nicht genügend interessante Autoren gäbe, um diesen Erfolg zu wiederholen", sagt Wijnberg. Das Gegenteil sei der Fall: "Man kann das vielleicht nicht endlos, aber doch vielfältig nachahmen. Mit einem Schwerpunkt auf Wirtschaft zum Beispiel, und natürlich auch in anderen Ländern."