Ende des Dramas in Iran Inhaftierte Reporter sind wieder zu Hause

Es war eine Belastungsprobe für das deutsch-iranische Verhältnis. Vier Monate waren zwei deutsche Reporter in Iran inhaftiert. Nun sind sie frei und zurück in Deutschland - Außenminister Westerwelle flog mit ihnen zurück.

Nach mehr als viermonatiger Haft in Iran sind die beiden deutschen Journalisten auf freiem Fuß. Bundesaußenminister Guido Westerwelle flog noch am Samstagabend nach Teheran, um mit den beiden Bild am Sonntag-Reporter mit einem Regierungsflugzeug zurück nach Deutschland zu fliegen. Sie kamen am frühen Sonntagmorgen mit einem Flugzeug in Berlin an. Einzelheiten zur Ankunft gab das Auswärtige Amt zunächst nicht bekannt.

Mit einer Anzeige wurde in Deutschland die Freilassung zweier deutscher Journalisten aus iranischer Haft gefordert.

(Foto: dpa)

Die beiden Journalisten waren am Samstag nach mehr als viermonatiger Haft in der Provinzhauptstadt Täbris freigelassen worden. Aus Täbris wurden sie von deutschen Konsularbeamten in die deutsche Botschaft nach Teheran gebracht. Nach offiziellen Angaben mussten sie jeweils 37.500 Euro Geldbuße zahlen.

Die Freilassung der beiden beschrieb Westerwelle als "sehr komplizierten Fall". Der FDP-Politiker sagte am Sonntag vor Journalisten: "Viele haben geholfen. Viele Räder haben ineinandergegriffen, viele haben aufopferungsvoll mitgewirkt". Er dankte auch seinem iranischen Amtskollegen Ali Akbar Salehi für dessen "hilfreiches Engagement in dieser Angelegenheit".

Westerwelle ist seit siebeneinhalb Jahren der erste deutsche Außenminister, der den Iran besucht. Zuletzt war dort im Oktober 2003 der damalige Ressortchef Joschka Fischer zu Gast. Iran steht wegen seines Atomprogramms und Menschenrechtsverstößen international heftig in der Kritik.

Die beiden Reporter der Bild am Sonntag, Marcus Hellwig und Jens Koch, waren am 10. Oktober 2010 in der Provinzhauptstadt Täbris beim Versuch verhaftet worden, den Sohn und den Anwalt von Sakineh Mohammadi-Aschtiani zu interviewen. Die Frau war wegen Ehebruchs zum Tode verurteilt worden. Den Deutschen wurde ein Verstoß gegen Visabestimmungen vorgeworfen. Der Fall Mohammadi-Aschtiani ist zudem ein Tabuthema für die ausländische Presse in Teheran.

Die iranische Agentur Isna hatte am Samstag gemeldet, die Justiz habe "islamische Güte" gezeigt und die beiden gegen ein Bußgeld freigesprochen. Sie seien zur Zahlung von etwa 35.700 Euro (500 Millionen Rial) statt zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Kurz vor der Freilassung war ein Gnadengesuch der Angehörigen an die Regierung in Teheran bekanntgeworden.

Die Schwestern der Reporter sagten dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel mit Blick auf den Beginn des iranischen Neujahrsfestes Nowrus am 21. März: "Im Vorfeld dieses Feiertags wurden in den vergangenen Jahren viele Häftlinge begnadigt. Wir bitten die Führung in Teheran daher um Gnade auch für Marcus und Jens."

Der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, sagte: "Wir freuen uns sehr, dass nach so langer Zeit die Reporter Jens Koch und Marcus Hellwig wieder frei sind." Er dankte allen, die zur Freilassung beigetragen hätten. "Besonders danken wir dem Auswärtigen Amt und Bundesminister Guido Westerwelle, der sich mit großem persönlichem Engagement unermüdlich für die Freilassung der beiden Reporter eingesetzt hat und dessen Bemühungen schließlich erfolgreich waren."

Auch die Grünen zeigten sich erleichtert über die Freilassung. Grünen-Chefin Claudia Roth erklärte in Berlin: "Von Anfang an war klar, dass den beiden Reporten nur ein Verstoß gegen Visabestimmungen Irans vorgeworfen werden konnte und alle anderen Anschuldigungen nur politisch motiviert und haltlos waren." Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin sagte: "Der Fall muss Anlass und Mahnung sein, auf die Einhaltung der Menschenrechte nicht nur im Iran zu drängen."

Der Fall war eine Belastungsprobe für das Verhältnis zwischen Deutschland und Iran. Am 27. Dezember bestellte das Auswärtige Amt den iranischen Botschafter ein, nachdem an Weihnachten ein Treffen mit Verwandten verweigert worden war. Kurz danach durften die Angehörigen die beiden Männer in einem Hotel in Täbris für mehrere Stunden sehen.

Auf Westerwelles Programm in Teheran standen auch Gespräche mit der iranischen Führung, unter anderem mit Außenminister Salehi.