Hubert Burda: "Die Bunte-Story" Überhöhung des Trivialen

Der Autor breitet sein Leben in lockeren Miniaturen aus, alles gut lesbar wie einst "Mein Rendezvous" bei Bunte, und es bleibt genug Raum für die Würdigung des zweiten Lieblingsmotivs der Burdaistik (nach High und Low), und das ist der "Iconic Turn", der Siegeszug des Bildes. Eine weite Linie wird gezogen von Silvia Sommerlath, dem "Schneewittchen", das Schwedens Königin wurde, zum Personenkult des Fernsehens und zu Facebook, der Plattform für Warhols Fünf-Minuten-Berühmtheiten, wo die Menschen keinen Mittler, also keine Journalisten brauchen, wie Burda fürchtet. Schon der um Aufträge besorgte Rubens musste Königstöchter schöner malen, als sie waren, und heute hübschen sich die Menschen im Internet über Instagram auf, merkt er an.

Vom Vater zum Verleger auserkoren

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Sein größter Trick ist die verblüffende historische Analogie. Damit macht er Eindruck. Dass bei aller Überhöhung des Trivialen andere Wochenobjekte wie Spiegel oder Zeit einen ganz anderen Einfluss auf politische Kultur und Klasse haben, weil sie Themen setzen, bleibt ungesagt. Stattdessen ein grober Satz: "Es gibt eine große Fraktion unter Journalisten, für die das politisch Korrekte als eine Art Religionsersatz herhalten muss."

In seiner Selbstanalyse ist Burda ehrlich. Er bekennt, ihm sei lange wenig gelungen, man hätte ihn früher für einen "eher bequemen Nichtstuer mit reichem Background" halten können. Vor "Hotel California". Kalifornien habe ihn schon als 13-Jährigen fasziniert, sagt Burda, später habe er sich Hollywood angeschaut und das "robuste Geschäft" begriffen: "Doch die Filmwirtschaft ist nicht mein Milieu geworden, obwohl meine Frau Maria da mittendrin ist." Maria, das ist Frau Furtwängler, die Tatort-Kommissarin. "Ich liebe mehr das Atelierhafte der Start-ups im Silicon Valley", fügt der Verleger noch an und meint Besuche bei den anderen Internet-Figuren der Westküste, die er aufs Heldenpodest stellt. Hier bleibt das Buch gänzlich unkritisch. Im Gespräch aber wird deutlich, wie sehr er, der Verleger mit dem journalistischen Impetus, unter der ökonomischen Misere der Online-Medien leidet.

Die haben Publikum, aber kein Geld.

"Als mir ein Google-Manager einmal gratulierte, weil wir mit Google-Anzeigen auf unseren Webseiten 3,6 Millionen Euro erlösten, antwortete ich: ,Hey, wie soll ich da verdienen? Meine Redaktionen kosten 32 Millionen'", erzählt er. "Wir Verleger sind selbst schuld an den Finanzierungsproblemen des Online-Journalismus. Wir waren alle zu fasziniert von Google. Die haben als Einzige ein gutes Geschäftsmodell durchgesetzt. Für Verlage blieben nur lousy pennys." Aber auch das Monopol von Google bleibe nicht ewig, deutet Burda an. Über Erlöse und Wertsteigerungen von Online-Beteiligungen wie Zooplus und Xing will er die journalistischen Produkte absichern. "Das habe ich in petto. Es ist beruhigend, solche Rücklagen zu haben."

Burda hat all die Brüche seiner Biografie, die Selbstzweifel und Selbstbehauptung, als Rücklage. Davon zehrt er. Seine Bunte-Story erscheint am nächsten Montag, dann schmeißt er in einer Bar eine Party. Elvis Presley wird zu hören sein (Burda summt "Don't be cruel"), sicher die Eagles mit ihrer Hotel-California-Zeile: "Und ich dachte mir: ,Das hier ist entweder das Paradies oder die Hölle.'" Hubert Burdas Bilanz: "Ich wusste: Aus der Illustriertennummer kannst du etwas anderes machen."