"House of Cards" bei Sat 1 Der Chef hier, das bin ich

Sat 1 zeigt die US-Serie House of Cards im deutschen Free-TV.

Der Erfolg der Serie "House of Cards" gründet auf präziser Marktforschung des Streamingportals Netflix - und der Tatsache, dass alle Folgen der ersten Staffel auf einmal bereitgestellt wurden. Nun bringt Sat 1 die Serie ins deutsche Free-TV, Woche für Woche zur festen Sendezeit - ein Fehler, den deutsche Sender nicht zum ersten Mal machen.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Der beste Moment der Emmy-Verleihung vor wenigen Wochen dauerte nur ein paar Sekunden: Auf der Bühne müht sich Moderator Neil Patrick Harris gemeinsam mit den Late-Night-Talkern Jimmy Kimmel, Conan O'Brien und Jimmy Fallon durch den Eröffnungsmonolog. Schnitt in den Zuschauerraum. Kevin Spacey dreht sich um und blickt einfach nur in die Kamera.

Er sagt erst einmal nichts, das muss er auch nicht. Dieser arrogante und bitterböse "Okay Freunde, ich verrate Euch jetzt mal, was hier wirklich abgeht"-Blick reicht vollkommen: Lass' die Jungs der etablierten Sender CBS (Harris), ABC (Kimmel), NBC (Fallon) und TBS (O'Brien) mal da oben rumhampeln. Der Chef hier, das bin ich! Spacey sagte dann auch: "Es läuft alles nach meinem Plan."

Er ist der Hauptdarsteller der Serie House of Cards, deren Episoden nicht Woche für Woche auf einem Fernsehkanal gesendet werden, sondern den Abonnenten des Streamingportal Netflix als Staffelblock zur Verfügung gestellt werden. Spaceys Blick war deshalb mehr als nur ein Gag während einer ansonsten öden Veranstaltung, es war ein Kommentar zum Fernsehen allgemein: Lass' die etablierten Sender weiter rumgurken und Serien nach wenigen Folgen wegen Misserfolgs absetzen.

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Das Portal Netflix hat stattdessen reichlich Daten gesammelt und diese bei der Konzeption von House of Cards genutzt: Welchen Schauspieler sehen die Nutzer häufig? Welchen Regisseur mögen sie? Welches Genre bevorzugen sie? Wann und wie gucken sie? Die Antworten: Kevin Spacey. David Fincher. Politthriller. Wann sie wollen. Alle Folgen einer Staffel auf einmal.

Spacey gibt in der Serie Frank Underwood. Der sieht Politik als Pokerspiel und hat mit der demokratischen Partei gerade den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf gewonnen. Er will nun die Chips einsammeln und sich als Sieger vom Tisch erheben: Er soll Außenminister werden. Doch dann wird ihm mitgeteilt, dass er ganz gewaltig beschissen worden ist von den Menschen, die er für seine Partner gehalten hatte.