Hörspiel Pest und Spaßmacher

Mit Daniel Kehlmanns "Tyll" ist der magische Realismus zurückgekehrt in die deutsche Literatur. Der WDR sendet nun eine Hörfassung in acht Teilen, mit tollen Schauspielern wie Sylvester Groth oder Gustav Peter Wöhler.

Von Stefan Fischer

Mit Daniel Kehlmanns Roman Tyll ist der magische Realismus zurückgekehrt in die deutsche Literatur. Das Buch entwirft ein vielseitiges Panorama des Dreißigjährigen Krieges, das detailkundig ist und aber eben auch märchenhaft fiktiv. In dem von Kehlmann entworfenen 17. Jahrhundert leben beispielsweise noch Drachen, beziehungsweise: der letzte Drache des Nordens stirbt, 17 000 Jahre alt, im Verlauf der Handlung kriegs- und lebensmüde in der Holsteinischen Ebene. Den Helden Eulenspiegel wiederum hat der Autor sich aus dem 13. Jahrhundert entliehen.

In die Sphäre des Wunderlichen gehört auch, wie dieser Tyll immer wieder davonkommt. Des Spaßmachers größte Kunst ist es, alles zu überleben: die Kämpfe, die Krankheiten, die Kirche. Und wechselnden hohen Herren zu dienen, obgleich er eher eine Schreckgestalt ist.

Ein saftiger Kosmos ist das, den der Regisseur Alexander Schuhmacher nun als klangmächtiges Hörspiel in acht halbstündigen Episoden inszeniert hat. Zum Auftakt am Pfingstmontag sendet WDR 3 eine Doppelfolge. Lars Rudolph spielt einen grantigen Tyll, Sylvester Groth einen derben Schwedenkönig Gustav Adolf, Jakob Diehl einen jämmerlichen Winterkönig Friedrich. Es sind diese und etliche andere tolle Schauspieler, darunter Gustav Peter Wöhler, Jens Wawrczeck und Gerd Wameling, die das düstere, tragikomische Panoptikum schillernder Figuren in der Radiofassung mit Leben erfüllen. Und um die Menschen geht es, nicht um die großen Linien der Historie: um ihre Gier und Neugier, ihre Brutalität und Rivalität, ihren Hochmut und ihre Erbärmlichkeit. Eine Eulenspiegelei ist das nicht. Sondern, mit den Mitteln der Kunst, die Erfindung einer realen Epoche, die zu den unseligsten in Europa gehört.

Tyll, WDR 3, 21.-24. und 28.-30. Mai, 19.04 Uhr.