Hörspiel Im Wundernetz

Für die Mikrooper wurden Aufbewahrungsgläser als Klangkörper eingesetzt, wie sie in der Nasssammlung im Museum für Naturkunde in Berlin stehen.

(Foto: Carola Radke/MfN Berlin)

Die Mini-Radio-Oper "Wundernetz - Rete Mirabile" verbindet auf faszinierende Weise wissenschaftliche Erkenntnisse mit Poesie.

Von Stefan Fischer

Was der Mensch für die Welt hält, ist bloß das, was er von ihr sieht. Die Oberfläche der Erde, Berge zum Beispiel und Wälder, wie der Erzähler in Wundernetz - Rete Mirabile in warmem Singsang vorträgt. Unter der Oberfläche liegt Dunkelheit: der Ozean, oder auch das Chaos. Dort hinunter tauchen die Komponistin Ulrike Haage und der britische Dramatiker Mark Ravenhill mit ihrer Mini-Radio-Oper. Wie nehmen Lebewesen die Welt wahr, die nicht vor allem schauen, sondern fühlen? Wundernetz - wissenschaftlich "Rete Mirabile" - nennt man ein Arteriengeflecht, das unter anderem bei Fischen dazu dient, die Körpertemperatur zu regulieren. Das Hörstück ist ein poetischer Versuch, wissenschaftliche Erkenntnisse auf einer anderen als der intellektuell fassbaren zu begreifen. Dieser Versuch geht aus vom Museum für Naturkunde in Berlin. Ein Modellprojekt ermöglicht seit drei Jahren künstlerische Auseinandersetzungen mit Museumspraxis und Naturforschung. Lässt man sich darauf ein, ist das ähnlich faszinierend wie der wissenschaftliche Diskurs.

Wundernetz - Rete Mirabile, SWR 2, Donnerstag, 05. April 22.03 Uhr. Sendung in der Mediathek des SWR 2 anhören