Hörspiel Auf dem Gaspedal

Der Rapper Credibil hat sein erstes Hörspiel inszeniert. Es zeigt, was entstehen kann, wenn man auf Genre-Konventionen pfeift.

Von Stefan Fischer

Geld. Kraft. Zeit. Irgendetwas davon fehlt immer: Ist man jung, dann das Geld, später die Zeit, im Alter die Kraft. Und so ist das Leben eine einzige Hatz: Weil es nicht einzusehen ist, dass man immer irgendwie limitiert ist. In der Rapmusik ist das ein großes Thema: Alles haben, alles erreichen wollen, der Größte sein. Und auf gar keinen Fall als die letzte Wurst rumzulaufen.

Aber das Leben ist kein Wunschkonzert, auch nicht, wenn man es mit Dicker-Hose-Attitüde beim Schopf packt. Davon erzählt Rapper Credibil in seinem Hörspiel Nie wieder Bahnhof. Es ist Tradition beim WDR, artfremde Künstler Hörspiele inszenieren zu lassen, die frei von den Konventionen des Genres loslegen. Christoph Schlingensief hat drei wahnwitzige, stilprägende Stücke gemacht, Jonathan Meese eine kraftstrotzende akustische Meuterei hingelegt.

Credibil schickt den Taxifahrer Frank durchs Frankfurter Bahnhofsviertel, in dem er selbst unter rauen Bedingungen groß geworden ist. Er kennt das Milieu, er hat erlebt, wie viele Leute ewig unterwegs sind und doch nicht vorankommen. Das gilt für Frank genauso wie für alle, die bei ihm zusteigen: für Huren, für von sich und vom Alkohol berauschte Partyteens und sogar für manche Banker.

Die fragmentierte Erzählung über die Vergeblichkeit der eigenen Umtriebigkeit ist nur die Kulisse für das zentrale Element: die Musik. Credibil hat mit Frustra, I-NAN & Ahzumjot, The Cratez und Dr. Dayo Tracks für Nie wieder Bahnhof produziert, die die eigentliche Geschichte erzählen: Wie das Gefühl der Unzulänglichkeit Menschen zerquetscht. Die Songs funktionieren dementsprechend wie die Arien in der Oper - sie legen das Seelenleben der Figuren bloß.

Das ist nicht gänzlich neu, das hat es etwa bereits in Hüttenkäse, einem frühen Stück von Paul Plamper und Tim Staffel, gegeben. Nie wieder Bahnhof soll dennoch am Beginn einer Entwicklung stehen: Martina Müller-Wallraf, Hörspiel-Chefin des WDR, und der Dramaturg Jan Buck wollen solche Produktionen, in denen die Geschichten vor allem über die Musik erzählt werden, künftig forcieren.

Nie wieder Bahnhof, WDR 3, Sonntag, 19.04 Uhr und 1 Live, Montag, 23 Uhr.