Die hohe Kunst der Akrobatik - ein bisschen RTL, ein bisschen ARD - führt zu Spitzenpreisen. Günther Jauch setzt für seinen Sonntagstalk neue Maßstäbe.
Am Dienstag informierte nachmittags der Rundfunkrat des WDR über seine aktuelle Sitzung. Ausführlich erläutert wurden die genehmigten Telemedienkonzepte für sportschau.de und einsfestival.de.
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Eine andere wichtige Neuigkeit sparten die Aufseher des öffentlich-rechtlichen Senders aus. Sie genehmigten auch, mit großer Mehrheit, den neuen Dreijahresvertrag für Günther Jauch, den Großmeister der journalistischen Unterhaltung. Von Herbst 2011 an darf er sonntags nach dem Tatort in der ARD mit ausgewählten Gästen plaudern, nach Sabine Christiansen und Anne Will der dritte Talk auf diesem Sendeplatz.
Damit ist der Weg für Jauch frei, der parallel im Privatsender RTL weiter zu sehen sein wird, bei Wer wird Millionär? und anderen Unterhaltungsshows. Das war insbesondere im WDR negativ aufgefallen, weshalb von einem "Spagat" die Rede war. Nun, mit dem Okay des Rundfunkrats, ist der Weg für den 54-Jährigen frei, der seine Laufbahn einst bei Rias Berlin und beim Bayerischen Rundfunk begonnen hatte.
Aber ist Jauch das viele Geld wert, das er bekommt?
Offenbar kassiert seine Produktionsfirma I & U TV für 39 Sendungen pro Staffel jährlich immerhin 10,5 Millionen Euro, wie es in Kreisen des Rundfunkrats heißt. Offenbar soll es eine "Best-of"-Ausgabe geben. Unter dem Strich kostet eine Minute Jauch in der ARD also offenbar 4487,18 Euro - und das sind 1323,18 Euro mehr als Anne Will erhält, seine Vorgängerin. Und die liegt in der Kostenaufstellung der Talkmaster des Öffentlich-Rechtlichen vorne. Das Plus bei den Kosten: satte 41,8 Prozent.
Die Bild-Zeitung zitiert einen Brief aus dem WDR-Verwaltungsrat, der die Zustimmung erklärt - "vor allem vor dem Hintergrund des hohen Ansehens und Respekts, den Herr Jauch in der Öffentlichkeit genießt". Man verspricht sich also einiges von dem Respektierten, der in Umfragen gerne mal als idealer Bundespräsident beschrieben wird. Und außerdem gibt es ja den Marktwert, den Jauch mit seiner Präsenz beim Kommerzsender RTL in die Höhe getrieben hat.
WDR-Rundfunkrätin Ruth Hieronymi (CDU) wendet sich auf Anfrage von sueddeutsche.de allerdings strikt gegen einen Vergleich der Minutenpreise mit anderen ARD-Künstlern. Anne Will sei schließlich aus einem festen ARD-Vertrag gekommen, Günther Jauch aber agiere auf dem freien Markt, so die Politikerin.
Eine Spitze konnten sich die WDR-Verwaltungsräte nicht verkneifen. Sie zitierten die Bergpredigt. Und zwar mit dem schönen Satz: "Niemand kann zwei Herren dienen."
So viel zum Spagat.
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(sueddeutsche.de/berr)
Voreiliges Buch "Der Pott ist dahoam"
Jeder, der einmal versehentlich RTL-Trash eingeschaltet und erlebt hat, wie es sich sieht, wenn die großen Brüder genüsslich rohe Großinsekten verspeisen, wird mit einigem Magendrücken dem Tag entgegensehen, wo die Bühnenauftritte der moderierenden Quotenbringer öffentlich-rechtlich werden sollen. Dann kann das öffentlich-rechtliche Publikum künftig auch daran teilnehmen, wenn Stefanie zu Guttenberg einen Schluck aus der Pulle nimmt und G.Jauch ihr staatstragend zuprostet. Erbauliche Aussichten.
Für etliche ist Jauch eher der Langweiler der Nation, der vielleicht gerade deswegen für ein Staatsamt genannt wird, das die Menschen auch nicht gerade vom Hocker reißt. Aber nun kommt er erst einmal zur ARD, und niemand kann das verhindern. Dafür sind die öffentlich-rechtlichen Entscheidungsträger zuständig, die so etwas unter sich auskungeln. Das Publikum braucht man nur für den beruflichen Unterhalt.
Man darf sicher erwarten, dass Jauch auch politisch so eingesetzt wird, dass er die ihm zugedachte Rolle wohlgefällig spielen kann. Wie so etwas bei der ARD aussieht, wird Sonntag für Sonntag beim Frühschoppen vorgeführt - wie man eine Sendung durch Proporz, Konsenzbedürfnis und Langeweile kaputtreden kann.
Niemand sollte falsche Hoffnungen hegen - es gilt weiterhin: Nichts Neues in der ersten Reihe.
Wer die Sendungen mit H. Jauch in den letzten Jahren verfolgt hat, bekam den Eindruck, das nach der freigesprochenen Begrüßung (Respekt) jeder Satz und jedes Ähh von kleinen Moderationskärtchen abgelesen wurde. Man hatte wirklich das Gefühl, H. Jauch kommt mit den Zuschauern in die Sendung und weiß garnicht, was auf ihn zukommt.
Jauch als Quotenretter? Wieso schielen öffentliche Sender auf Quoten? Sie sind doch gebührenfinanziert. Aber wie in der Politik und Wirtschaft kauft man lieber etwas teuer ein, was sich irgendwann mal bewährt hat und hofft, das dies so irgenwie weiterläuft.
Eigene Ideen oder Visionen sind doch bei parteibuchtragenden Sesselfurzern eh hinderlich, wahrscheinlich eh hinderlich.
Hansibansi
Die Verantwortlichen der öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten benehmen sich wie wild gewordene Banker: Ist ja nicht unser Geld, das da verzockt wird. Mit dem Engagement Jauchs haben sie endgültig bewiesen, dass ihnen jedes Maß abhanden gekommen ist (wenn sie es je hatten). Wenn ich dann diese Werbespots sehe, in denen die Gebühren verteidigt werden, dann wird mir nur noch übel. So sehr ich Jauch schätze (die Wertschätzung hat allerdings einen Dämpfer erhalten, als sich Jauch für Pro Reli einsetzte): 10,5 Millionen Euro für knapp 50 Sendungen pro Jahr (Sommerpause wird er ja wohl auch machen) sind ein Preis, den ein werbefinanzierter Sender gern zahlen darf (schau ich eh nicht an). Aber für einen Sender, der sich überwiegend aus Zwangsgebühren finanziert, ist dies eine Summe, die nicht mehr zu vermitteln ist.
Wer weiß, wo man den WDR wegen Veruntreuung von Gebührengeldern verklagen kann?
Der ARD geht es nicht um den Bildungsauftrag der oeffentl.rechtl. Sendeanstalten,um Qualitaetsfernsehen und schon gar nicht um eine sachliche bzw. serioese Sendung mit einem kompetenten Moderator.Vielmehr geht es ihnen um die Quote mitttels einer reinen Unterhaltungs-bzw.Spasssendung.Sie wissen,dass Herr Jauch bei RTL mit seiner ihm ganz eigenen Art der Quotenkoenig schlechthin ist.
Der Unterschied ist,dass RTL auch der "Schmuddelsender" schlechthin ist. Die ARD ist auf dem besten Weg sich in die selbe Richtung zu entwickeln.
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