Günther Jauch zum Hoeneß-Prozess Jauch-Einspieler trägt zur Verwirrung bei

Überrascht waren nur manche Prozessbeobachter, und auch der Jauch-Einspieler kommentiert den Vorgang wie ein Sportereignis: "Schon am Dienstag der nächste Hammer!" Im Urteil "wächst" die Steuerschuld des Uli Hoeneß dem Einspieler zufolge zum letzten Mal. Dabei hat das Gericht hier einfach den Solidaritätszuschlag addiert, was die Steuerfahnderin noch nicht gemacht hatte. Leider trägt die Jauch-Sendung dazu bei, dass unwissenden Beobachtern vom Prozess in Erinnerung bleibt, wie die Zahlen stündlich gestiegen sind - und damit irgendwie auch Hoeneß' Schuld. Was so nicht stimmt. (Wer das mit den Zahlen noch genauer wissen will: mehr dazu hier.)

Ein anderer Einspieler gelingt der Redaktion. In wenigen Sekunden erklärt er die Umwuchtungen im deutschen Steuersystem. Zeigt grafisch, dass direkte und indirekte Steuern (also zum Beispiel Einkommensteuer und Mehrwertsteuer) plus Sozialabgaben zusammengenommen die Mittelschicht prozentual genauso stark belasten wie die Oberschicht. Der Einspieler weist auf die ungleiche Vermögensverteilung hin und auf die Lohnentwicklung, die viele Arbeitnehmer in den vergangenen Jahren vom Wirtschaftswachstum entkoppelt hat.

Leider stoppt Jauch die Debatte über die Systemfrage zwei Mal. Augstein prangert an, dass Kapital so niedrig besteuert wird. Unternehmer Selter darf den neoliberalen Klassenkämpfer geben und den Steuerwettbewerb loben: "In Deutschland kann ich Kapital nicht brutal hoch besteuern, sonst ist das weg. Das ist pragmatisch." Däubler-Gmelin wiederum winkt ab: "Die Mär vom scheuen Kapital kann ich nicht mehr hören." Diese Argumentation sei "dämlich".

"Er zeigt endlich mal Rückgrat"

Ist Hoeneß ein Mann mit großartigem Charakter? Oder hatte er Angst, dass bei einer Revision am Ende eine noch höhere Strafe gestanden hätte? Die Meinungen darüber, warum Hoeneß sein Urteil nun doch akzeptiert hat, gehen auseinander. Eine Videoumfrage in München. mehr ...

Doch Jauch will zurück zu Hoeneß. Einmal fragt er Jörges, ob Hoeneß ein Sozialschmarotzer sei, obwohl der schon deutlich gemacht hat, dass er Steuerhinterzieher für asozial hält. Als die Runde zur Steuerdebatte zurückgekehrt ist, unterbricht Jauch zum zweiten Mal. "Wenn wir jetzt noch mal die Brücke zu Hoeneß schlagen", sagt er und präsentiert einen Einspieler, in dem Bayern-Fans vor dem Stadion sich exakt so über Hoeneß äußern, wie man es erwartet.

Für die Zuschauer bleibt zudem noch eine Frage offen, die der Schweizer Tages-Anzeiger in einem viel zitierten Artikel stellt und die auch in der Runde aufgeworfen wurde: Wo kommt Hoeneß' Startkapital wirklich her? "Nicht belegt ist, dass die fünf Millionen Mark und die 15 Millionen Bürgschaft vom inzwischen verstorbenen, damaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus stammten", behauptet der Tages-Anzeiger und auch Däubler-Gmelin wundert sich bei Jauch über die Herkunft des Geldes.

Allerdings: Sie wurde vor Gericht geklärt. Der entsprechende Kontoauszug von Dreyfus' Bank BNP Paribas ist aktenkundig. Hoeneß gewann mit den 20 Millionen Mark von Dreyfuß direkt so viel Geld, dass er sie sofort zurückzahlen konnte.

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*Anmerkung der Redaktion: An dieser Stelle stand in einer früheren Version "Hinterziehungszinsen" - das ist natürlich nicht korrekt, es handelt sich um die Hinterziehungsschuld für Zinsen. Eine Anklage enthält keine Hinterziehungszinsen.