"Günther Jauch" Dröge Debatte um die "Droge Automobil"
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"Wer stoppt die Preistreiber?" will Günther Jauch in seiner Sendung zum Thema "Die große Benzin-Abzocke" wissen. Eine Antwort auf die Frage bekommt er nicht. Der ehrlichste Moment des Abends ist, als Jauch eingesteht: Dieses Gespräch hätten wir so auch vor fünfzehn Jahren führen können.
Günther Jauch und sein Team müssen sich die Kritik der vergangenen Woche zu Herzen genommen haben. Während in Deutschland über die Wahl im Saarland oder den Terror in Toulouse diskutiert wurde, hatte Jauch durch eine zeitlose Sendung zum Thema Burn-out moderiert. Dieses Mal sollte alles anders sein. Das brandaktuelle Thema: die steigenden Benzinpreise.
Führte durch eine vorhersehbare Diskussion zum Thema steigende Benzinpreise: Günther Jauch.
(Foto: dpa)Dem will sich Jauch mit Fragen wie "Wer treibt den Spritpreis in die Höhe" oder "Was kann die Politik gegen die Preistreiberei tun?" nähern. Dass er den Antworten kaum näher kommt, liegt an der Auswahl der Gäste.
Da ist der Mann vom Mineralölwirtschaftsverband, Klaus Picard, der beklagen darf, dass das Geschäft seiner Branche ein sehr hartes und wenig lohnendes sei. Da ist die Frau von den Grünen, Bärbel Höhn, die sagen darf, dass Deutschland dringend eine Energiewende weg vom Öl braucht. Da ist der ehemalige Tankstellenpächter, Achim Hirsch, der sagen darf, wie die Ölmultis den Tankstellen den Preis diktieren. Und da ist der Mann vom Fernsehen, Ranga Yogeshwar, den Jauch als "Fuchs" bezeichnet, damit jeder merkt, dass dem Journalisten die Rolle des klugen Wissenschaftlers zufällt.
Patrick Döring, Generalsekretär der FDP, schweigt länger als eine halbe Stunde, ehe er ungefragt dazwischen plappert, um seine Anwesenheit belegen zu können. Ex-Rennfahrer Niki Lauda hält sich mit seinen Redebeiträgen zum Glück ähnlich zurück. Denn als er gleich zu Beginn der Sendung eine C-Klasse von Mercedes als "kleines Auto" bezeichnet, ahnt der Zuschauer, welche Qualität die weiteren Worte des Mannes mit der roten Mütze haben werden. Höhepunkt ist seine These, dass bei weiter steigenden Benzinpreisen unser ganzes System zusammenbrechen würde.
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Erschreckender als die überraschungsfreie Auswahl der Runde ist allerdings das Vokabular des Abends. Über "Benzin-Abzocke", "Sprit-Preistreiber" oder "Der Staat kassiert mit" freut sich jedes Phrasenschwein. So bewegt sich die Debatte bei Jauch auf einer Ebene mit dem öffentlichen Diskurs über das Thema. Die Menschen sind empört über hohe Spritpreise, trotzdem steigen sie ins Auto. Am Pranger stehen die Ölindustrie als gewinnsüchtige Preistreiber und die Politik, die den Autofahrer zu Tode besteuert.
Ranga Yogeshwar und Bärbel Höhn rufen dem Publikum immerhin in Erinnerung, dass das Öl bald zu Ende sein wird und gerade die Autonation Deutschland damit bald ein großes Problem bekommt, weil sie von der "Droge Automobil" (Yogeshwar) abhängig ist.
Die Mineralölgiganten haben ihre Rolle als Sündenbock in diesem Spiel akzeptiert. Ihre gängigen Entschuldigungsfloskeln von einem freien Markt, der die Preise regulieren würde, sind längst zur ritualisierten Folklore geworden. Klaus Picard ist diese Situation gewohnt. Er geht gelassen und professionell mit den deutlichen Unmutsäußerungen des Publikums einerseits und der breiten argumentativen Front gegen sich innerhalb der Gesprächsrunde andererseits um.
Alle Mitglieder der Runde haben brav in ihren Rollen funktioniert. Da kann Jauch noch so schelmisch bei Picard nachfragen, ob dieses Jahr der Benzinpreis zu Ostern wieder ohne Zwänge des Marktes drastisch steigen würde. Der Mann der Ölindustrie weicht der Frage aus, Jauch hakt nicht einmal nach.
Der ehrlichste Moment des Abends ist folgerichtig der, als Yogeshwar und der Talkmaster zu der Übereinstimmung kommen: Dieses Gespräch hätten wir so auch vor fünfzehn Jahren führen können. Stimmt. Jauch hat es wieder verpasst, ein relevantes Thema fruchtbar zu diskutieren und den Anspruch der Sendung zu erfüllen: Die Debatte in Deutschland weiterzubringen.