Großbritannien Post vom IS

Die britische Polizei beschlagnahmt den Computer eines Journalisten der Nachrichtensendung "Newsnight". Sie interessiert sich für einen bestimmten Mailwechsel. Ein Angriff auf die Pressefreiheit?

Von Christian Zaschke

Verschiedene britische Medienorganisationen haben die Polizei dafür kritisiert, dass sie den Laptop eines BBC-Journalisten beschlagnahmt hat, der vor allem über britische Mitglieder der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) berichtet. Der Reporter Secunder Kermani ist Mitglied der Redaktion von Newsnight, der wichtigsten Nachrichtensendung des Landes. Er hatte Kontakt zu einem britischen IS-Terroristen in Syrien, der auch in einem Filmbeitrag in der Sendung auftrat, um über seine Motive zu sprechen. Die britische Polizei hat daraufhin unter Berufung auf das Anti-Terrorismus-Gesetz die Herausgabe von Kermanis Laptops gefordert, um die E-Mail-Konversation zwischen dem Journalisten und dem Terroristen nachlesen zu können.

Ian Katz, Chefredakteur von Newsnight, zeigte sich besorgt über den Vorgang. Er sagte, die BBC wolle keinerlei polizeilichen Ermittlungen im Wege stehen. Es erschwere die Arbeit von Journalisten jedoch erheblich, wenn die Polizei auf der Grundlage des Anti-Terrorismus-Gesetzes darauf bestehe, dass der Sender seine Quellen grundsätzlich offenlege. Eine Sprecherin des Autorenverbandes PEN sprach von "Hysterie" seitens der Polizei.

In einer offiziellen Stellungnahme teilte die BBC mit, dass der Reporter den Laptop wie von der Polizei gefordert übergeben habe. Da der Terrorist jedoch auch offen in der Sendung aufgetreten sei, habe es sich ohnehin nicht um eine vertrauliche Quelle gehandelt.