Götz George im Gespräch "Mein Respekt vor dem Vater ist groß"

SZ: Das Duisburg der Hochöfen und Fördertürme ist aus der Tatort-Landschaft fast verschwunden. Schimanski war der wichtigste Werbeträger der Stadt - neben dem Meidericher SV. Wurde Schimanski, Duisburgs Ehrenbürger, im Sommer um Hilfe gebeten, nachdem es bei der Love Parade Tote gegeben hat?

George: Als ich erfuhr, dass es in Duisburg eine Love Parade geben würde, dachte ich: Die überschätzen sich. Das ist doch alles zu klein, alles zu verwinkelt. Mich hatte die Love Parade schon in Berlin immer irritiert. Der ganze Tiergarten war verwüstet, und das wollte ich in Duisburg nicht sehen.

SZ: Man hat Sie also nach dem Unglück nicht angesprochen?

George: Es gab einen Anruf bei meiner Agentin in Berlin. Ich war auf Sardinien. Ich hing zwischen Baum und Borke. Das Einzige, was ich hätte sagen können: Furchtbar, was da passiert ist. Dann ging es um Spendengelder, ich wollte sofort einsteigen, aber es blieb offen, wer das Geld einsammelt, wohin es geht, wer das Ganze betreut. Eine völlig verfahrene Situation.

SZ: Herr George, Sie spielen nun schon 60 Jahre auf der Bühne und in Filmen. Ist es richtig, dass der Südwestrundfunk mit Ihnen an einem Stoff arbeitet, der die letzten Jahre Ihres Vaters Heinrich George in Kriegsgefangenschaft thematisiert?

George: Es ist ein Dokudrama. Ich habe mich lange sehr gesträubt, weil ich nicht wusste, in welche Richtung das geht. Es gibt ein Treatment, das hat dem Produzenten Nico Hofmann sehr gefallen.

SZ: Dokudrama bedeutet, dass es gespielte Szenen geben wird, dazu eingeschnittene Zeitzeugen.

George: Zeitzeugen wird es geben, wobei nicht mehr so viele übrig sind, die meinen Vater noch kannten. Die Auseinandersetzung wird sicher kritisch werden.

SZ: Wann fangen Sie an?

George: Weiß ich nicht. Der Regisseur muss erst die Zeitzeugen befragen, danach wird das Drehbuch geschrieben.

SZ: Und warum machen Sie mit?

George: Der Film bietet die Möglichkeit, für meinen völlig zu Unrecht beschuldigten Vater, der immer als NS-Darsteller hingestellt wurde, durch Zeitzeugen einen Freispruch zu erwirken.

SZ: Aber der Preis dafür ist der Vater als Rolle - eigentlich eine Rolle zum Weglaufen.

George: Eine große Verantwortung. Mein Respekt vor dem Vater ist groß, man kann da auch Versagensängste kriegen. Jedenfalls war ich der Letzte, der den Film wollte.