sueddeutsche.de: Keine Ahnung. Es wäre doch schön, wenn Sie und Ihre Kollegen mal konfrontativ fragen würden.

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di Lorenzo: Konfrontativ zu sein ist etwas anderes, als Gäste schlecht zu behandeln. In der Regel machen wir das aus drei Gründen nicht. Erstens: Wir üben ein Handwerk aus. Und wie jeder Handwerker wollen wir, dass die Arbeit gelingt. Zur Talkshow gehört, dass Sie den Gast zum Reden, nicht zum Schweigen bringen. Zweitens: Zuschauer ertragen allzu parteiische Fragesteller nicht. Wenn wir in der Sendung mal jemanden angehen, ist die Redaktion wochenlang damit beschäftigt, Protestbriefe und -Mails zu sammeln ... Sie haben keine Vorstellung: Tausende! Und drittens: Wenn das Ihr Markenzeichen wird, kommen irgendwann keine Leute mehr in die Sendung. Freche Fragen sind oft nicht mehr als die Eitelkeit des Journalisten. Ich nehme da ausdrücklich Politik- und Nachrichtenfomate aus: Da muss hart zur Sache gefragt werden.

sueddeutsche.de: Was kann eine Sendung wie 3 nach 9 erreichen, Frau Rakers?

Rakers: Die Zuschauer. Je mehr, desto besser. Inhaltlich finde ich es gut, wenn es viel Interaktion gibt. Und Tempi-Wechsel, mal ein leises Interview, mal einen Schlagabtausch.

sueddeutsche.de: Harald Schmidt hat Sie mal gefragt, ob Sie Ihr Aussehen als Nachteil empfinden. Sie haben nein gesagt. Können Sie als attraktive Frau andere Fragen stellen als Herr di Lorenzo?

Rakers: Ja, diese Frage ...

di Lorenzo: ... du müsstest jetzt natürlich antworten: Mir war gar nicht bewusst, dass ich gut aussehe. (Beide lachen)

sueddeutsche.de: Und?

Rakers: Meistens sitze ich in Interviews Frauen gegenüber. Aber auch die wollen wissen, ob ich mich reduziert fühle. Ich sage dann immer, dass die Frage schon Teil des Problems ist. Indem wir immer wieder über etwas sprechen, was eigentlich kein Thema mehr sein sollte, bleibt es ein Thema.

di Lorenzo: Noch mal zur Frage, was 3 nach 9 erreichen kann. Mir persönlich geht es darum, dass die Zuschauer vor allem einen Eindruck vom Gast bekommen: Wie ist der? Nicht unbedingt: Was sagt der? Es geht um ein Stück Authentizität im großen medialen Verstellungszirkus. Was wir drei hier gerade machen, ist etwas ganz anderes. Im Printinterview verändert man Antworten und Fragen, durch Kürzen, Glätten und Zuspitzen. Im Fernsehen ist alles eins zu eins. Jeder Versprecher. Jedes Ähm.

sueddeutsche.de: Ein harter Job.

di Lorenzo: Viel härter. In der Zeitung können Sie jede Peinlichkeit von uns Journalisten hinterher retuschieren.

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  1. "Mir ist nichts Menschliches fremd"
  2. "Fernsehen ist unser kollektives Gedächtnis."
  3. Sie lesen jetzt "Mal ein leises Interview, mal einen Schlagabtausch."
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(sueddeutsche.de/berr)