Ghostwriter Der Mann, der sich in die Promis denkt

Sein Name steht auf seinen Werken immer nur klein: "Mit Till Hoheneder".

(Foto: Stephan Pick/S. Fischer Verlage)

Till Hoheneder schreibt Bücher für Gaby Köster, Atze Schröder oder Horst Lichter. Dabei war er selbst früher kurz ein Star. Die Geschichte eines Gefühlsübersetzers.

Von Hans Hoff

Wenn Karfreitag die Verfilmung der traurigen Geschichte von Komikerin Gaby Köster auf dem RTL-Programm steht, wird ein Mann in Hamm noch einmal besonders genau hinschauen. Till Hoheneder interessiert dieser Film brennend. Er wird sich noch einmal anschauen, wie Anna Schudt seine Freundin Gaby Köster darstellt, wie sie auf dem Bildschirm den Moment meistert, in dem sie vom Schlaganfall heimgesucht und aus einem prallem Komödiantenleben gerissen wird. Wie sie versucht, zurück ins Leben zu kommen. Hoheneder kennt das alles ganz genau, und er hat den Film auch schon im Rohschnitt gesehen. Trotzdem interessiert ihn, wie das alles auf dem Bildschirm wirkt. Es interessiert ihn, weil er das zugrunde liegende Buch Ein Schnupfen hätte auch gereicht gemeinsam mit Gaby Köster geschrieben hat.

Hoheneder ist der Mit-Mann. Sein Name findet sich klein auf dem Cover oder auf den ersten Seiten, wenn prominente Fernsehnasen ihre Erlebnisse in Buchform präsentieren. "Mit Till Hoheneder" steht dann dort, was auf den ersten Blick so wirkt, als habe er dem jeweiligen Star lediglich den Bleistift reichen dürfen, was für Kenner aber klarstellt, wer die meiste Arbeit mit dem Buch hatte.

Hoheneder ist einer, der sich professionell in andere hineinversetzt

Gerade ist Hoheneder aus der Top Ten der Spiegel-Bestsellerliste geflutscht. Dort war er ein paar Wochen lang vertreten mit Horst Lichters Erfolgswerk Keine Zeit für Arschlöcher. Hoheneder kennt sich aus mit diesen Listen, mit der Region zwischen Rang eins und 31. Eine kleine Ewigkeit war er dort auch vertreten mit dem Köster-Buch, das sich mehr als eine Viertelmillion Mal verkaufte. Er war dort mit der Biografie von Mike Krüger, und auch die beiden Bücher, die er mit seinem Kumpel Atze Schröder verfasst hat, erreichten beachtliche Notierungen.

Fragt man ihn, wie er das bewerkstelligt mit dem Schreiben für andere, dann gibt sich der 51-Jährige als Florist. "Ich bekomme Blumen unterschiedlichster Art. Meine Aufgabe ist es dann, daraus einen Strauß zu flechten, der dem Protagonisten gefällt", berichtet er. Mit Horst Lichter hat er sechs Tage in einem Hotel verbracht. Sechs Tage lang haben sich die beiden immer wieder hingehockt, den Aufnahmeknopf am iPhone gedrückt, und dann hat der berühmte Fernsehkoch erzählt im Vertrauen darauf, dass Hoheneder den Silbensalat schon zu einem Buch formen wird.

Hoheneder ist einer, der sich professionell in andere hineinversetzt, der spürt, was sie sagen wollen, und der genau das dann mit ihren Worten wiedergibt - in Büchern und in jenen Bühnenprogrammen, mit denen die Künstler große Hallen und auch das Fernsehen bespielen. Dabei kommt ihm zupass, dass er in einem früheren Leben mal selbst ziemlich bekannt war und als Parodist seine Brötchen vergolden konnte.

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Till & Obel hieß das Duo, das zu Beginn der 90er-Jahre zum Höhepunkt einer großen Karriere strebte. In Jürgen von der Lippes Samstagabendshow Geld oder Liebe sangen die beiden die Charityhymne "We Are The World" im Alleingang nach und imitierten dabei die Stimmen der knapp zwei Dutzend Interpreten so perfekt, dass man meinte, Stars wie Michael Jackson, Stevie Wonder oder Bob Dylan im Original zu hören. Mehr als zehn Millionen Zuschauer sahen dabei zu.

"Am Montag danach war die Hölle los", erinnert sich Hoheneder an die Breitenwirkung, die Fernsehen damals noch entfalten konnte. Auf einmal wollten alle etwas von ihnen. Bei RTL drängte man ihnen gar eine eigene Show auf, der Rockpalast lud sie ein, doch im Jahre 2000 trennte sich das Duo.

Für Hoheneder formt sich aus seiner Erfahrung und seiner Beobachtungsgabe vor allem das Handwerkszeug für seine Profession, für das Bücherschreiben. "Ich frage mich immer: Wie spricht so jemand", erklärt er. Er parodiere den Künstler dann, um in dessen Haut zu schlüpfen. Und wenn er geschrieben hat, bleibt er bei der Methode. "Ich lese mir manchmal die Kapitel mit der Stimme der Künstler vor", sagt er und verfällt für einen Augenblick in einen täuschend echten Horst-Lichter-Ton, in diesen Kumpelslang, der stets leicht schmierig klingt, wenn man die Braunkohle-Gegend nicht kennt, aus der Lichter stammt, wo Herzlichkeit halt anders buchstabiert wird als in der Restrepublik.