Interview: Rupert Sommer

Schauspielerin Nadja Uhl über geschminkte Hinterwäldler, einen Familienausflug in den Dschungel und ihre Rolle im ZDF-Krimi "Die Toten vom Schwarzwald".

sueddeutsche.de: Frau Uhl, Ihr jüngster ZDF-Film, der Krimi "Die Toten vom Schwarzwald", hat Sie in eine besonders entlegene Ecke der Republik gebracht. Was lernt man bei einem solchen Film über die deutsche Provinz?

Nadja Uhl, dpa

"Die gute Frau kommt wie ich fast vom anderen Ende der Republik." (© Foto: dpa)

Anzeige

Nadja Uhl: Für mich war sehr interessant, an einem Genrefilm zu arbeiten. Ich hatte schon einmal mit dem Regisseur Thorsten Näter gearbeitet und ihn dann aus den Augen verloren. Deshalb war ich neugierig, wie er zu diesem wirklich ungewöhnlichen Drehbuch kam - und was er daraus macht. Näter gräbt alte Mythen aus und siedelt das Ganze im Schwarzwald an, in einer klar abgesteckten Welt, mit eigenen Regeln ...

sueddeutsche.de: ... in der Sie eine Lehrerin spielen, die ausgerechnet aus Berlin kommt.

Uhl: Das entbehrt nicht einer gewissen Komik. Die gute Frau kommt wie ich fast vom anderen Ende der Republik. Ich spiele so eine junge Berliner Pflanze, die in den Schwarzwald abgeschoben wurde, weil sie wahrscheinlich mal wieder ihren Mund nicht halten konnte.

sueddeutsche.de: Sich in diese Rolle einzufinden, dürfte Ihnen nicht schwergefallen sein.

Uhl: Da hat es Heino Ferch schon viel schräger getroffen, der einen überforderten, stammelnden Ex-Ehemann spielt. Wir Schauspieler sind ja immer darauf aus, etwas ganz Neues zu entdecken. In unserem Beruf muss man eben mit allem rechnen - wie ein Profizauberer, der alle Tricks draufhaben muss.

sueddeutsche.de: Tröstlich, dass Ferch zum Schluss des Films wenigstens noch ein Techtelmechtel mit Ihnen abbekommt.

Uhl: (lacht) Eine kuschlige Szene. Aber ein wenig überraschend kam sie dann doch.

sueddeutsche.de: Außerdem wusste man vorher gar nicht, dass es im Schwarzwald Liebesnester gibt, die wie amerikanische Motels aussehen.

Uhl: Sagen wir mal so: Es gibt in Filmen immer etwas zu lernen. Auch ich wurde durch die Liebesepisode im Motel zum Schluss ziemlich verblüfft.

sueddeutsche.de: Sie sprechen selbst von einem "Genrefilm": Nach welchen Regeln muss der funktionieren?

Uhl: Ich konnte im Vorfeld nicht so recht einschätzen, wie viel meine eigene Phantasie beim Lesen des Drehbuchs ausspinnt. Als ich den fertigen Film dann sah, fand ich das Ergebnis längst nicht ... so bedrohlich, wie ich es bei einem Mystery-Stoff erwartet hatte.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was Nadja Uhl über Liebesnester im Schwarzwald erzählt.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Regeln des verrückten Spiels

Frankreichs Medienwahlkampf: Reiche Industrielle bringen ihre Pressehäuser in Stellung, zum Internet-Spott über den Gegner werden muntere Partys organisiert – und die Rundfunkaufsicht zückt die Stoppuhr. Jetzt lesen ...