Gerichtsurteil zu "Schwarzbuch WWF" erwartet WWF verhindert Verkauf des Schwarzbuchs

Bereits 2011 versuchte der WWF gegen Huismanns Film Pakt mit dem Panda, eine Ko-Produktion des Westdeutschen Rundfunks (WDR) und des Südwestrundfunks (SWR), vorzugehen. Zunächst ohne Erfolg. Die Dokumentation wurde im Ersten, später in einigen Dritten Programmen der ARD ausgestrahlt.

Doch im April dieses Jahres, kurz vor Erscheinen des Buches, erwirkte der WWF beim Landgericht Köln drei einstweilige Verfügungen gegen die Doku in insgesamt elf Punkten: Vier richten sich gegen den WDR, weitere sieben gegen eine SWR-Fassung des Films. Sie belege "die Richtigkeit unserer Aussagen", schrieb Vorstandsmitglied Eberhard Brandes auf der WWF-Website und fügte hinzu: "Die Verfügung ist eine Bestätigung für die 438.000 Förderer des WWF und das gesamte WWF-Team."

Doch wie durch "einstweilige" schon ausgedrückt wird, regelt eine einstweilige Verfügungen nur vorläufig, dass eine gewisse Handlung oder Äußerung zu unterlassen oder sogar verboten ist. Verweigert der Betroffene der Entscheidung seine Anerkennung, muss der Antragsteller seinen behaupteten Anspruch durch eine Klage im Hauptsacheverfahren durchsetzen. Und das, die Klage, ist jetzt der Stand der Dinge.

"Buchhandel kuscht vor WWF"

Die vom WWF beauftragte, in Berlin ansässige Kanzlei Schertz Bergmann hat mittlerweile 14 Unterlassungsbegehren gegen das Schwarzbuch WWF vorgebracht. Das betrifft allerdings nicht nur Random House, der zu Bertelsmann zählende Verlag, der das Buch über seine Tochter Gütersloher Verlagshaus verlegt. Die für den WWF tätigen Advokaten haben auch große Online-Buchhändler wie Amazon, Libri und Weltbild angeschrieben und drohen mit rechtlichen Schritten, falls das Schwarzbuch WWF über sie zu beziehen sei.

Der beklagte Titel wurde mancherorts prompt aus dem Handel genommen. Von Amazon stammt die Benachrichtigung: "Dieser Artikel ist in Deutschland indiziert bzw. beschlagnahmt. Wir bieten generell keine indizierten bzw. beschlagnahmten Titel auf Amazon.de an." Dabei ist das Schwarzbuch - zumindest noch bis Freitag - erlaubt, allerdings praktisch kaum zu erwerben.

Nach ersten Berichten, sowohl in dieser Zeitung als auch der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und anderen Medien, hat sich die Einkaufsgenossenschaft eBuch, ein Verbund kleiner unabhängiger Buchhändler, mit einer Plakat-Aktion gemeldet: "Buchhandel kuscht vor WWF", heißt es da, und: "Wir nicht!"

Journalisten erheben Zensurvorwürfe gegen den WWF

Die Deutsche Journalisten-Union erhebt in diesem Zusammenhang Zensurvorwürfe gegen den WWF. Die in Verdi organisierte Gewerkschaft wertet das Vorgehen der Umweltschutz-Organisation als einen "nicht akzeptablen, rechtlich zweifelhaften Einschüchterungsversuch".

WWF-Sprecher Ehlers weist die Kritik zurück. Aus seiner Sicht sei das Anwaltsschreiben nicht als Drohung, sondern "als Information" zu verstehen.