Gerichtsurteil zu "Schwarzbuch WWF" erwartet Wenn die Glaubwürdigkeit leidet

Fragwürdige Verbindungen zu Gentechnikriesen wie Monsanto und Regenwaldabholzern wie Wilmar: In seinem "Schwarzbuch WWF" wirft Grimme-Preisträger Wilfried Huismann der Umweltstiftung vor, für die Zerstörung der Natur mitverantwortlich zu sein - und auch noch gut daran zu verdienen. Der WWF überzieht den Kritiker mit Klagen. Große Buchhändler reagieren in vorauseilendem Gehorsam.

Von Lars Langenau

Was ist eine Kooperation? Laut Duden bedeutet das Wort "Mitwirkung, Zusammenarbeit". Über das, was Zusammenarbeit oder Mitwirkung noch bedeuten, kommt es nun zu einem erbitterten Rechtsstreit zwischen dem Journalisten Wilfried Huismann und dem World Wide Fund for Nature (WWF).

Huismann, mehrfacher Grimme-Preisträger, dokumentiert in seinem für die Umweltstiftung wenig schmeichelhaften Schwarzbuch WWF die geheime Geschichte des mächtigsten Naturschutzverbandes der Welt, die von Kooperationen mit ehemaligen Nazis, Diktatoren, südafrikanischen Rassisten geprägt sei und von der eigenartigen Mitwirkung von Firmen, die eigentlich als Umweltzerstörer gelten. Im Klartext: Journalist Huismann wirft dem WWF vor, für die Zerstörung der Natur mitverantwortlich zu sein - und daran zu verdienen. Die Naturschützer wehren sich juristisch.

An diesem Freitag könnte sich nun vor dem Landgericht Köln bei einem Prozesstermin entscheiden, ob von Huismanns Buch, das im April erschien, eine zweite Auflage gedruckt werden kann oder das Buch inhaltlich geändert werden muss. Die erste Auflage, 10.000 Exemplare, ist restlos verkauft. Neuauflagen, auf die mehrere tausend Vormerker bereits warten, sind in Planung.

Auf 255 Seiten breitet Huismann aus, wie die Tierschützer, die jährlich mehr als eine halbe Milliarde Euro einnehmen, fragwürdige Verbindungen mit der Industrie eingegangen sind. Ob Aquakultur, Großwildjagd oder Emissionshandel: Der WWF kooperiere mit denen, gegen die Umweltschützer und Menschenrechtler in Entwicklungsländern kämpften. "Das Problem ist beim WWF genetisch. Die Großindustrie gehört zu den Vätern des WWF", sagt Huismann.

So beschriebt er, wie der WWF zusammen mit äußerst umstrittenen Firmen wie Monsanto, einem Gentechnikriesen, und Wilmar, einem der größten Agrarproduzenten der Welt, an Runden Tischen sitze. Gemeinsam zeichnen sie "nachhaltig produziertes" Soja und Palmöl aus. Mit Monsanto sitzt der WWF an einem Runden Tisch für verantwortungsvolles Soja (RTRS). Gegen dieses Bündnis laufen andere Naturschutzorganisationen Sturm. Mit Wilmar, einem der größten Regenwaldzerstörer der Welt, zertifiziert der WWF "nachhaltiges" Palmöl (RSPO).

"Der Dialog schadet der Natur eher, als dass er nützt"

Die Mitwirkung des WWF ist in beiden Fällen unzweifelhaft. Die Organisation begreift ihren Platz an den Runden Tischen als Möglichkeit, um auf Konzerne Einfluss zu nehmen, eine Kooperation sei das aber nicht: "Der WWF hat nie mit Monsanto zusammengearbeitet und hat auch jetzt keine Kooperation mit Monsanto. Am Runden Tisch für verantwortungsvolles Soja- bzw. verantwortungsvolles Palmöl treffen jeweils mehrere hundert Mitglieder zusammen. Eines der Mitglieder dort ist der WWF, ein anderes ist Monsanto", heißt es inzwischen auf einer eigens für das Schwarzbuch eingerichteten WWF-Webseite.

Und weiter: "Der WWF arbeitet nicht mit Wilmar zusammen, und, ganz wichtig, der WWF vergibt keine Zertifikate! Richtig ist, dass der WWF gemeinsam mit Unternehmen des Palmölsektors, anderen NGOs, Lebensmittelkonzernen und Banken 2004 den Roundtable on Sustainable Palm Oil ins Leben gerufen hat, um zu versuchen, die Produktion von Palmöl nachhaltiger zu gestalten."

Ist das keine Kooperation?

Man könne dem Dialog mit Wirtschaftsunternehmen ja auch Positives abgewinnen, findet Huismann. Doch "die Abkommen des WWF mit großen Industrieunternehmen haben dazu geführt, dass der Dialog der Natur eher schadet als nutzt". Der Filmemacher und Autor beschreibt in seinem Sachbuch, wie die Runden Tische den Konzernen als grünes Feigenblättchen dienen.

Auch das mag man beim WWF nicht hören, geschweige denn lesen. WWF-Sprecher Jörn Ehlers wirft Huismann "rufschädigende und gravierende Falschaussagen" vor. Der wiederum verweist auf die Gründlichkeit seiner jahrelangen Recherchen und eine Menge eidesstattlicher Versicherungen, die seine Argumente stützen sollen, und entgegnet: "Der WWF reagiert deswegen so massiv und auch panisch, weil er im Herzen getroffen ist, in seiner Glaubwürdigkeit."