Geheimdienste in Serien Spione, die wir lieben

Noch einflussreicher als Kinofilme sind Fernsehserien, die im Spionagekosmos spielen: Claire Danes in "Homeland".

Steigern Fernsehserien wie "Homeland" und "24" die Beliebtheit der Geheimdienste? Eine aktuelle Studie deutet an: Der Einfluss des "Spytainment" ist nicht zu unterschätzen. Aber für die unterhaltsame Verknüpfung von Fakten und Fiktion zahlt die Gesellschaft einen Preis.

Von Kathleen Hildebrand

Als im Mai 2011 eine Sondereinheit der US-Streitkräfte in das pakistanische Versteck von Osama Bin Laden eingedrungen war und ihn getötet hatte, da gratulierten viele Twitter-Nutzer Jack Bauer zu seinem Erfolg. Jack Bauer ist kein Geheimdienstchef und auch nicht Teil der Sondereinheit, die den Al-Qaida-Gründer gefunden hatte. Jack Bauer ist die Hauptfigur der Action-Serie "24".

In den vergangenen zehn Jahren sind so viele Filme und Fernsehserien über Spionage gedreht worden, dass James Bond nur noch ein Agent unter vielen ist: Die "Bourne"-Reihe, "Zero Dark Thirty", die Geschichtsschinken, in denen Hollywoodstars sich altmodische braune Anzüge anzogen, um die Historie der amerikanischen Geheimdienste nachzuspielen. Noch einflussreicher als diese Kinofilme sind aber die Fernsehserien, die im Spionagekosmos spielen: Auf "24" folgten "Homeland", "Blacklist" und "Scandal".

Dass der Einfluss des "Spytainment" über Anekdoten wie den Twitter-Witz hinausgeht, deutet nun eine Studie der amerikanischen Expertin für Sicherheitspolitik und Stanford-Professorin Amy Zegart an. In zwei großen Umfragen aus den Jahren 2012 und 2013 mit je 1000 Teilnehmern stellte sie fest, dass regelmäßige Zuschauer von Spionagefilmen und -serien eine größere Zustimmung gegenüber aggressiven antiterroristischen Geheimdienstmaßnahmen zeigen, also gegenüber Folter, gezielten Tötungen und der Überführung Verdächtiger in Drittstaaten, die Folter erlauben. 38 Prozent der regelmäßigen Zuschauer von Spionageserien fanden, dass es richtig sei, Terroristen mit Waterboarding zu foltern, verglichen mit 28 Prozent bei Befragten, die solche Serien nicht schauen.

Mehr NSA-Unterstützer unter Spytainment-Fans

Je mehr solcher Unterhaltung sie konsumierten, desto positiver sahen die Befragten auch die National Security Agency (NSA). Spionagefilm-Fans hatten zu 58 Prozent eine positive Haltung zur NSA, während es in der Kontrollgruppe nur 34 Prozent waren. Der Sammlung von Telefon- und Internetdaten stimmten 44 Prozent der Spytainment-Zuschauer zu, verglichen mit 29 Prozent bei Nicht-Zuschauern.

Amy Zegart interpretiert ihre Daten vorsichtig. Die große Frage sei, so schreibt sie in ihrem Blog "Lawfare", die nach dem kausalen Zusammenhang. Fans von Jack Bauer and Jason Bourne könnten auch einfach von sich aus aggressiver sein als der Durchschnitt und sich wegen ohnehin vorhandener Haltungen von Spytainment angezogen fühlen. Oder aber die Filme und Serien verändern ganz real die öffentliche Meinung.

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Um sich der Antwort zu nähern, untersuchte Zegart das Wahlverhalten und Geschlecht der Befragten. Auch unter Männern sprachen sich die Spytainment-Fans eher für die NSA aus. Dasselbe gilt für die Wähler der Demokraten.