"Game of Thrones"-Wochenende auf RTL2 Sopranos in Mittelerde

Hart, sexy, mittelalterlich: RTL2 zeigt an diesem Wochenende gleich die komplette erste Staffel der US-Erfolgs-Serie "Game of the Thrones". Die von HBO produzierte Fantasy-Serie rund um den mittelalterlichen Clan der "Starks" läuft als deutsche Free-TV-Premiere. Das Medium Fernsehen passt sich langsam den Gewohnheiten Zuschauer an. Gute Serien schaut man am besten am Stück.

Von Anke Sterneborg

Schon der Anfang ist gewaltig: Ratternd hebt sich ein schweres Eisentor, drei Reiter durchqueren auf schwarzen Rossen und mit schweren Fackeln in Händen ein mächtiges, stockdunkles Tunnelgewölbe. Auf der anderen Seite treten sie in eine gleißend weiße, klirrend kalte Schneelandschaft, ein wenig so wie die Kinder, die aus dem Schrankinneren in die verwunschenen Narnia-Landschaften gerieten, nur sehr viel grausiger. Denn wir befinden uns jenseits der "Mauer des Nordens", in der Fantasywelt von George R.R. Martins Trilogie Das Lied von Eis und Feuer. Und weil die Verfilmung vom Pay-TV-Sender HBO produziert wurde, ist sie nicht nur opulent ausgestattet, sondern auch kompromisslos hart, wild, sexy und roh - so wie man sich eben das Mittelalter vorstellt.

Allein der Vorspann ist ein kleines Kunstwerk: Da erhebt sich eine Topographie der Schauplätze aus der Ebene in den Raum, als wäre sie von einem mechanischen Räderwerk betrieben, ein filmisches Pop-up-Bild, mit wachsenden Gebäuden und sprießender Natur.

RTL 2 zeigt an diesem Wochenende die komplette erste Staffel der mehrfach ausgezeichneten HBO-Fantasyserie Game of the Thrones, die ihr Autor David Benioff einmal augenzwinkernd als "Sopranos in Mittelerde" beschrieb. Zu sehen sind als deutsche Free-TV-Erstausstrahlung insgesamt zehn, rund 50 Minuten lange Folgen am Freitag, am Samstag und am Sonntag. Die volle Seriendosis also, so wie es sonst nur möglich ist, wenn man die DVDs besitzt.

Deshalb ist der Entschluss von RTL 2 zu dieser Programmierung vielleicht auch ein Hinweis darauf, dass die DVD - und die inzwischen beliebte Gewohnheit, gute Serien einfach am Stück wegzusehen - das Medium Fernsehen verändert hat. Auch der Kultursender Arte zum Beispiel geht immer mehr dazu über, Mehrteiler direkt hintereinander auszustrahlen, anstatt die Sache über Wochen hinzuziehen. Man könnte auch sagen, dass moderne Serien einfach enorm starke Erzählformen sind, denen sich das alte Fernsehen, wenn es klug ist, auch unterordnet. Denn in Wahrheit brauchen diese Serien das klassische Fernsehen kaum noch.

Der visuelle Reichtum, der bei Game of Thrones ausgebreitet wird, ist überwältigend. Allein der Pilotfilm hat zehn Millionen Dollar verschlungen, 50 bis 60 Millionen hat die erste Staffel gekostet, das Ergebnis kann mühelos mit aufwendigen Kinoproduktionen konkurrieren, und hat sich weltweit verkauft.

In der Welt, die so erschaffen wurde, muss eine gewaltige Mauer unheimliche Monstren, "Wildlinge" und "weiße Wanderer" von der Zivilisation fernhalten. Kaum sind die Männer in den nahen Wald geritten, machen sie einen grausigen Fund: Menschliche Leichenteile sind auf eine Art im Schnee drapiert, dass es wirkt, als folge jemand damit einem Ritual. In der unerbittlichen Kälte walten furchteinflößende Mächte, und innerhalb der Mauern tobt zwischen vier Familienclans ein unerbittlicher Kampf um den eisernen Thron in Königsmund, der Hauptstadt der sieben Königslande.

Eine Prinzessin mit Haut wie Alabaster

Gedreht wurde in grandiosen Landschaften in Nordirland, Schottland, Kroatien, auf Malta, in Marokko und Island, eine harsche Realität, die mit Computertricks maßvoll mythisch verstärkt wurde. Wie bei allen HBO-Produktionen gehört zum hohen Niveau der Serie auch hier ein Ensemble großartiger, mal mehr, mal weniger bekannter Schauspieler: Sean Bean als ehrenhafter Lord Stark und Peter Dinklage, der mit scharfsinnig süffisantem Dialogwitz über seine Zwergenstatur hinauswächst und dafür auch mit einem Golden Globe und einem Emmy ausgezeichnet wurde.

Lord Stark von Winterfell (Sean Bean) soll dem versoffenen und versauten König Robert (Mark Addy) dabei helfen, sein Reich gegen die Angriffe von innen und außen zu verteidigen. Das titelgebende "Spiel um den Thron" ist ein komplex wucherndes Intrigengeflecht. Es wird gemordet, gehortet und geschachert. Eine Prinzessin mit Haut wie Alabaster wird von ihrem Bruder an den wilden Dothraki-Häuptling (eindrucksvoll gespielt von dem Hawaiianer Jason Momoa) verhökert. Inzestuös verbundene Zwillingsgeschwister sabotieren den Königshof.

Und nur die ganz weit oben im kalten Norden angesiedelten "Starks" leben noch nach den ritterlichen Gesetzen von Ehre und Königstreue, doch im Laufe der ersten zehn Folgen wird ihr Clan zerrüttet und versprengt. Wie moderne Familien eben, nur verkleidet.

Game of Thrones, RTL 2, am Freitag, Samstag, Sonntag jeweils drei Folgen von 20.15 Uhr an.