Führungswechsel beim MDR MDR nominiert Bernd Hilder als neuen Senderchef

Hartes Ringen: Erst im vierten Wahlgang einigte sich der Verwaltungsrat des MDR auf Bernd Hilder als neuen Intendanten. Hilder ist zurzeit Chefredakteur der "Leipziger Volkszeitung" - seine offizielle Wahl an die Spitze des MDR ist für Ende September geplant. Auf den designierten Nachfolger des bisherigen Intendanten Udo Reiter warten schwierige Aufgaben.

Erst nach vier Wahlgängen stand das Ergebnis fest: Der Chefredakteur der Leipziger Volkszeitung und frühere ARD-Hörfunkkorrespondent Bernd Hilder (52) soll nach dem Willen des MDR-Verwaltungsrats neuer Intendant des Senders werden. Auf diesen Vorschlag einigte sich das Gremium nach mehrstündigen Beratungen, wie der Verwaltungsratsvorsitzende Gerd Schuchardt mitteilte.

Nach zähen Verhandlungen sei schließlich doch noch die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit der sieben Verwaltungsratsmitglieder zustandegekommen. Die offizielle Wahl des Nachfolgers von Senderchef Udo Reiter im Rundfunkrat ist für den 26. September geplant, dann wird ein Gremium mit 43 Mitgliedern zur Abstimmung zusammentreten. Auch hier ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit nötig.

Zuvor hatten sich drei Kandidaten im Verwaltungsrat vorgestellt - neben Hilder die stellvertretende Intendantin Karola Wille und der stellvertretende WDR-Fernsehdirektor Helfried Spitra. Der bisherige Senderchef Reiter ist seit 20 Jahren Intendant der Dreiländeranstalt und hatte im Mai seinen vorzeitigen Rückzug bis Jahresende angekündigt.

In seiner Präsentation stellte Herr Hilder seine Vorstellungen zur Weiterentwicklung der Programme und der Organisation im digitalen Zeitalter vor. Er betonte insbesondere die Notwendigkeit trimedialer Angebote, die Fernsehen, Hörfunk und den Onlinebereich verbinden.

Hilder wurde in Bückeburg (Niedersachsen) geboren und studierte Rechts- und Politikwissenschaften in Freiburg. 1982 wurde er freier Journalist, später Redakteur beim Sender Freies Berlin. Ende der 80er Jahre ging er als Hörfunk-Korrespondent nach Washington, später berichtete er für die ARD aus Mexico-City über Lateinamerika und die Karibik.

Nach 13 Jahren bei der ARD übernahm Hilder 1995 die Chefredaktion der Schaumburger Nachrichten. Im Jahr 2000 wurde er Chefredakteur des Göttinger Tageblattes, seit 2003 steht er an der Spitze der Leipziger Volkszeitung. Außerdem ist Hilder in der Jury des Theodor-Wolff-Preises und seit März 2010 Sprecher des Deutschen Presserats. Er ist parteilos, verheiratet und hat zwei Kinder.

Der MDR steht derzeit unter großem Druck. In der vergangenen Woche hat der Sender das Verfahren zur fristlosen Kündigung seines Unterhaltungschefs Udo Foht eingeleitet, der in undurchsichtige Finanztransaktionen verwickelt war und gegen den die Staatsanwaltschaft wegen Betrugs und Untreue ermittelt. Zuvor war ein Millionenbetrug beim ARD/ZDF-Kinderkanal aufgedeckt worden, für den der MDR die Federführung hat.