"Frühstücksfernsehen" mit Olli Dittrich Schmerzhaft nah an der Realität

Erfolg mit "Frühstücksfernsehen": Olli Dittrich

(Foto: dpa)

Olli Dittrich beschert mit "Frühstücksfernsehen" der ARD das langersehnte Satire-Format mit Substanz. Bleibt die bange Frage, ob das Erste eine innovative Show mal wieder auf einem miesen Sendeplatz versauern lassen wird.

Von Matthias Kohlmaier

An diesem Dienstag stellt sich eine Frage: Ob die ARD bereits einen üppig gefüllten Geschenkkorb an Olli Dittrich geschickt hat? Mit einer Karte, die in etwa besagen könnte: "Sehr geehrter Herr Dittrich, vielen herzlichen Dank für Ihre herausragende Idee und folgende Umsetzung des Frühstücksfernsehens. Gestern haben die Zuschauer des Ersten nach langer Zeit mal wieder aus gutem Grunde etwas zu lachen gehabt. Mit freundlichen Grüßen, Ihre ARD, i. A. Programmdirektor Volker Herres".

Aus Kundensicht wäre ein derartiger Dank seitens der Verantwortlichen wünschenswert. Ja, sogar Pflicht. Hat Olli Dittrich doch mit seinem Frühstücksfernsehen etwas für das Erste geschafft, woran vermutlich beim Sender niemand geglaubt hat. Die ARD ist plötzlich cool, womöglich nur für diesen kurzen Moment, aber immerhin. #Frühstücksfernsehen ist seit gestern Abend gar bei Twitter auf der Liste der Trends vertreten. Das gelingt bei der ARD für gewöhnlich nur dem Flagschiff Tatort.

Jahrelang hatten die Herrschaften aus der ARD-Intendanz sehnsüchtig nach Mainz geschaut - denn beim ZDF gab es regelmäßig witzig-ambitionierte Comedy und Satire zu sehen. Von Neues aus der Anstalt über Pelzig hält sich bis zur von der Zuschauerschaft heißgeliebten heute-Show. Dagegen waberte im Ersten Dieter Nuhrs Satire-Gipfel gelegentlich quasi unbemerkt durchs Programm, der Versuch, mit Das Ernste ein eigenes Satire-Format zu stemmen, geriet eher peinlich denn komisch. So überrascht es kaum, dass selbst die Zuschauer vom feinen Humor des Frühstücksfernsehens etwas überrumpelt scheinen.

Eine Frage, die Olli Dittrich, wenigstens teilweise, im SZ-Gespräch bereits vor Ausstrahlung seiner neuen Show beantwortet hat. "Ich hoffe, dass die Sachen so gut sind, dass man am Ende nicht daran vorbeikommt", sagte er, zu seinen Projekten befragt. Und das Frühstücksfernsehen war so gut, dass offensichtlich selbst die mithin recht innovationsfeindliche ARD dem nichts entgegenzusetzen wusste. Also mit Ausnahme eines hundsmiserablen Sendeplatzes am Montagabend gegen 23.45 Uhr. Der feine Humorist Dittrich dürfte an Probleme mit dem Ersten aber gewöhnt sein.

Sechs weitere Folgen sind schon gekauft

War er doch erst zuletzt mit einem Konzept für ein anderes Satire-Format bei Deutschlands erstem öffentlich-rechtlichem Sender abgeblitzt. Tagesschaum wäre eine Parodie auf Tagesthemen/Tagesschau gewesen. Den Zuschlag allerdings bekam Das Ernste, moderiert von Kabarettist Florian Schroeder. Ein Format, irgendwo zwischen heute-Show und ProSiebens Switch Reloaded angesiedelt. Vor allem aber ein Format, das im vergangenen Dezember einmal ausgestrahlt wurde, vorwiegend vernichtende Kritiken erhielt und wohl eher nicht auf die ARD-Mattscheibe zurückkehren wird.

Anders Frühstücksfernsehen: Bereits am Sonntag, also am Tag vor der Erstausstrahlung, gab der für die Sendung federführende Westdeutsche Rundfunk bekannt, sechs weitere Episoden produzieren zu wollen. "Dittrichs Präzision in der Schauspielerei, seine großartigen Masken heben die 30 Minuten heraus aus dem Comedy-Allerlei", sagte WDR-Unterhaltungschef Siegmund Grewenig. Sechs weitere Folgen wird es somit in jedem Fall geben. Für diese Entscheidung herzliche Gratulation an den WDR.