Frauenmagazin Eineinhalb Kilo Luxus

Springer belebt die Zeitschrift "Die Dame" wieder: 1912 gegründet, hielt sie den Nazis bis 1941 stand. Die "Dame" von 2017 will auch widerstehen: dem "Klicken" im Netz.

Von Renate Meinhof

Doch, es geht hier auch ums Gewicht. Nicht ums Abnehmen, um Diäten, aber um den Reichtum an Inhalt, und weil man in Redaktionen für gewöhnlich keine Küchenwaage parat hat, haben diejenigen, die dieses fast katalogartige Magazin erdacht und gemacht haben, in der Pressemappe das Gewicht gleich mit angegeben: 1,5 Kilogramm wiegen diese 292 Seiten, was daran liegt, dass hier drei verschiedene Sorten von Papier verwendet wurden. Schweres am Anfang, mittelschweres Papier für die Modestrecke, etwas leichteres Buchpapier für die Erzählung, die Maxim Biller geliefert hat. Es geht ums Sinnliche, Haptische, man blättert, und der Duft von Gedrucktem steigt einem in die Nase. Das Ganze soll also, in der Welt der Totaldigitalisierung, "superanalog" sein. Es soll Sehnsucht wecken, Vergewisserung sein. Ja, es gibt noch Dinge, die man anfassen kann.

Ausgerechnet der Axel-Springer-Verlag, der in den letzten Jahren nicht unmittelbar dadurch aufgefallen ist, aufs Gedruckte zu setzen, will jetzt eine großartige Marke der Zwanziger- und Dreißigerjahre wieder aufleben lassen, Die Dame, "das Zentralorgan des Stils der Weimarer Republik" nämlich, wie Christian Boros es am Montag im Springer-Hochhaus in Berlin sagt. Boros, der Kunstsammler, der auch Herausgeber der "neuen" dame  ist.

Die Dame, 1912 gegründet, war ein Luxusmagazin, das eine Reichsmark kostete, aus dem Verlagshaus Ullstein kam und sich allen Anfeindungen der Nationalsozialisten zum Trotz bis 1941 halten konnte. Großartige Modejournalistinnen wie Helen Hessel schrieben hier aus Paris, Fotografinnen wie Lilly Niebuhr, Else Ernestine Neuländer-Simon, genannt Yva, und Sonja Georgi prägten mit ihren ganz eigenen Stilen das Magazin, das nicht allein optisch dem propagierten Frauenbild der Nationalsozialisten zuwiderlief. Frauen und Automobile, Frauen beim Sport, am Strand - das waren große Themen. Im Kopf aber hat man die Fotos der eigenen Groß- und Urgroßmütter, die, mit zum Dutt gesteckten Haaren und in gestärkten Schürzen, stolz ihre Kinder präsentieren, Mutterkreuze verliehen bekommen, sich jedenfalls von allem Französischen abzukehren hatten, also auch vom Pariser Chic.

Die Dame der Dreißigerjahre hatte etwas unglaublich Radikales, Widerständiges. Die dame des Jahres 2017 will auch widerstehen, dem "Klicken" im Netz, dem "PDF-kompatiblen", wie Boros es sagt.

Die erste Ausgabe greift thematisch zurück. Auf Schnitzlers "Traumnovelle" zum Beispiel, die 1925 kapitelweise zuerst in Die Dame erschien, auf Frauen und Autos, auf Schönheit und Kunst sowieso: Atelierbesuch bei Pamela Rosenkranz, Martin Eder malt Männeraquarelle, der Fotokünstler Thomas Ruff ist dabei. Und natürlich müssen erst einmal die Begrifflichkeiten umrissen werden. Was ist denn überhaupt eine Dame? Das versucht Margit J. Mayer mit dem Philosophen Bazon Brock zu klären. Die dame ist natürlich voll von Werbung. Ganz vorn ist die Königliche Porzellan-Manufaktur dabei. Sie wirbt mit der Künstlerin Trude Petri, die rauchend hinter dem Tafelservice "Urbino" sitzt, das sie 1931 gestaltet hat. Was für eine klare, reduzierte, starke Form, denkt man, und: Alles schon mal da gewesen, nur schöner.

Zweimal im Jahr soll die dame erscheinen. Vom 2. März an liegt sie am Kiosk - für 15 Euro. Man muss schauen, ob sie ihr Gewicht wird halten können.