Starke Einschnitte bei Frankfurter Rundschau Überregionales aus Berlin

Die "Frankfurter Rundschau" verliert ihre Eigenständigkeit, der Mantelteil kommt künftig aus Berlin. Eine Erinnerung an das einst tonangebende Blatt der westdeutschen Linken.

Von Marc Felix Serrao

"Unabhängige Tageszeitung" steht jeden Tag auf der ersten Seite der Frankfurter Rundschau (FR). Wie lange diese Beschreibung noch gilt, ist allerdings fraglich. Wie die Süddeutsche Zeitung aus dem Umfeld der Zeitung erfuhr, steht dem 1945 gegründeten, einst tonangebenden linken Blatt eine weitere massive Sparrunde bevor - mit Maßnahmen, die das Wesen der FR auf eine Weise beschneiden werden, dass von echter publizistischer Eigenständigkeit streng genommen keine Rede mehr sein kann.

Überregionale Themen künftig aus Berlin: Die "Frankfurter Rundschau" wird stark beschnitten - wie viele Angestellte gehen müssen, ist noch nicht klar.

(Foto: A3472 Frank May)

Die überregionale Berichterstattung der Zeitung, das bestätigten am Mittwoch mehrere an ihrem Umbau beteiligte Personen, soll künftig komplett in der Hauptstadt bei der Berliner Zeitung gebündelt werden, die ebenfalls zur Verlagsgruppe M. DuMont Schauberg gehört. Die dort ansässige "DuMont Redaktionsgemeinschaft" beliefert das Blatt - wie den Kölner Stadtanzeiger und die Mitteldeutsche Zeitung - bereits seit vergangenem Jahr mit politischen Berichten von bundespolitischer Bedeutung.

Nun sollen auch die Blattmacher aus Wirtschaft, Feuilleton und Sportteil der FR in Berlin arbeiten. Beide, Berliner Zeitung und Rundschau, werden dafür eine gemeinsame Organisationsstruktur bekommen, heißt es, mit einer Spitze, die sich wohl aus den jetzigen Chefredaktionen zusammensetzen wird. Am bisherigen Hauptsitz der FR, dem nach dem früheren Chefredakteur und Herausgeber benannten Karl-Gerold-Platz, verbleiben demnach nur der Lokalteil und Autoren der anderen Ressorts.

Wie viele Mitarbeiter bei der FR durch den Um- und Abbau gehen müssen, soll noch nicht final entschieden sein. Von 40 bis 50 Stellen ist die Rede. Das Blatt, das seit Jahren Verluste im zweistelligen Millionenbereich schreibt, hat noch knapp 190 Mitarbeiter. 115 davon arbeiten in der Kernredaktion, 30 im nicht tarifgebundenen Pressedienst Frankfurt und 40 bei der ebenfalls ausgelagerten Firma FR Publishing (Layout, Foto, Grafik). An diesem Freitag um elf Uhr will der Verlag seine Mitarbeiter in Frankfurt über die Details informieren.

Es ist, das darf man so pathetisch sagen, das Ende einer deutschen Zeitungsära, die mit großen Namen verbunden ist. Der einstige Herausgeber Gerold etwa, an den sich jeder ernstzunehmende Chefredakteur in diesem Land erinnert, und der so lange für eine einzigartige Haltung der Zeitung gesorgt hat. Der sozialliberale Publizist und spätere FDP-Generalsekretär Karl-Hermann Flach. Oder Werner Holzer, der das Blatt zwei Jahrzehnte lang führte - auch in die schon schwierige Zeit hinein. Und viele andere.