"Financial Times Deutschland" in der Krise Bangen am Baumwall

Der Chefredakteur der defizitären "Financial Times Deutschland" bereitet seine Mitarbeiter auf das Schlimmste vor: An diesem Mittwoch wird eine Entscheidung im Aufsichtrat von Gruner + Jahr erwartet. Noch gibt es Bemühungen, die Zeitung zu retten.

Von Katharina Riehl

Publikumszeitschriften

Zum zehnten Jubiläum kam sogar die Kanzlerin. Angela Merkel sprach im Februar 2010 der feiernden Belegschaft der Financial Times Deutschland ihre "Anerkennung" aus - einer Zeitung, die durch "verschiedene Krisen" musste und der es gelungen sei, Menschen für sich zu gewinnen.

Mit dem Lob noch weiter ging an diesem Abend der damalige Gruner + Jahr-Vorstandschef Bernd Buchholz. Er sprach von einem der "mutigsten publizistischen Projekte der letzten 50 Jahre", und dass die FTD eine "Pflichtlektüre für Entscheider aus Politik und Wirtschaft" geworden sei; eine "klare Bereicherung für den deutschen Zeitungsmarkt".

Bernd Buchholz hat Gruner + Jahr inzwischen verlassen, Julia Jäkel ist in den Vorstand gerückt - und es sieht so aus, als könnte der deutsche Zeitungsmarkt bald wieder ein Stück ärmer werden. Die FTD kämpft, sie kämpft ums Überleben.

An diesem Montag bereitete Steffen Klusmann, Chefredakteur der FTD und Leiter des Chefredakteurskollegiums der Wirtschaftsmedien, seine Belegschaft in der Morgenkonferenz auf das vor, was seiner Einschätzung nach kommen könnte: Es müsste schon ein Wunder geschehen, so berichten Teilnehmer aus der selten so voll besetzten Konferenz, sonst müsse man sich wohl auf das Schlimmste einstellen. Es war die Rede von drohenden Kündigungen und der Hoffnung, dass es in diesem Jahr noch keine Entlassungen geben werde. Ganz konkret ging es darum, wie eine Abschiedsausgabe der FTD aussehen könnte. Die Belegschaft solle in den nächsten Wochen aber normal weiterarbeiten.

Normal weiterarbeiten ist schwierig in so einer Lage. Ist das Ende der seit Gründung defizitären FTD längst beschlossen, wie seit Wochen spekuliert wird, oder gibt es noch Hoffnung? Von Gruner + Jahr hieß es am Montag auf Anfrage, redaktionsinterne Vorgänge würden nicht kommentiert. Zur Zukunft der FTD gebe es "keine Entscheidung".