Finale von "Voice of Germany" Wenn der Glanz verblasst

Gewinner der Castingsendung The Voice of Germany: Nick Howard (rechts) singt mit Gaststar Emelie Sandé im Finale der Show

(Foto: dpa)

Aufgekratzte Stimmung und goldenes Konfetti: Die Castingshow "The Voice of Germany" feierte sich im Finale mit Gewinner Nick Howard ausgiebig. Fragt sich nur, wie viele Popstars die Sendung noch hervorbringt - ist doch wahrscheinlich, dass diese Art der Bühnenrekrutierung ihrem Ende entgegen blickt.

Eine TV-Kritik von Dorothea Grass

Das zweite Album nach dem Erfolgsdebüt ist immer das schwierigste. Es entlarvt schonungslos Schwächen, muss bestehenden Ansprüchen gerecht werden und trennt die Eintagsfliege vom Elefanten. Das ist nicht nur bei Rock- und Popstars so, das gilt im übertragenen Sinne auch für die Maschinerie, die diese emporbringen will. Insofern endete die zweite Staffel der Castingsendung The Voice Of Germany unter einem ihr zwar wohl gesonnenen, aber völlig anderen Stern. Denn es ist der zweite Aufguss einer bislang erfolgreichen Sendung. Das Konzept ist nun bekannt, jetzt beginnt die Entzauberung.

Etwa vor einem Jahr war die Deutschland-Ausgabe der John-de-Mol-Show The Voice zum ersten Mal im deutschen TV gelaufen. Sie setzte einen Kontrapunkt zu den bisher gängigen Musik-Castingshows: mit vier Juroren, die selbst Künstler sind und die innerhalb der Sendung außerdem die Funktion von Mentoren einnehmen.

Es sollte um Musik gehen, nicht um das Bloßstellen der Sänger. Die Jury, bestehend aus Nena, Xavier Naidoo, Rea Garvey und dem Country-Duo The BossHoss, erklärte Respekt zur ersten Priorität im Umgang mit den Kandidaten. Die wiederum waren zum größten Teil schon bühnenerfahrene Sänger und Musiker. Das Konzept ging auf. The Voice Of Germany war im zu Ende gehenden Jahr 2012 der große Fernsehshow-Abräumer bei den gängigen Preisvergaben, gewann die Goldene Kamera und den deutschen Fernsehpreis. Wer war noch mal Dieter Bohlen? Und wer Detlef D! Soost?

Am Ende regnete es goldfarbenes Konfetti

Am Freitagabend ist nun die zweite Staffel, die Mitte Oktober gestartet war, mit einem großen Live-Finale in Berlin zu Ende gegangen. Die Jury hatte sich feierlich in schwarze Anzüge geworfen, die Stimmung war aufgekratzt und am Ende regnete goldfarbenes Konfetti auf den Sieger der gut dreistündigen Show nieder: Nick Howard, einen 30-jährigen Musiker aus dem südenglischen Brighton, der von Rea Garvey gecoacht wurde.

Zu Recht hatte er sich mit seinem selbst komponierten Lied "Unbreakable" gegen die Silbermond-taugliche Nummer "Heimweh" von Isabell Schmidt durchgesetzt. Auf Platz drei landete der Xavier Naidoo-Schützling Michael Lane und auf den letzten Platz wurde das Gewinner-Team des letzten Jahres verwiesen: James Borges aus der BossHoss-Mannschaft.

Fast schon berührend war es zu sehen, wie die Jurymitglieder und Mentoren mit ihren Kandidaten mitfieberten; ähnlich einer zweiten Abordnung der im Publikum sitzenden Eltern. "Die sind alle in ihrer Kraft" hatte Nena zuvor mütterlich über ihre Kandidaten geweissagt. Später versuchte sie sich als Bühnen-Boost ihrer Kandidatin und es grenzte an ein Wunder, dass sie beim gemeinsamen Auftritt Isabell Schmidt nicht gänzlich auf die Schultern sprang oder umrempelte.

Das Gesicht voller Anspannung verfolgte das sonst entweder in Jeanshemd oder Muscle-Shirt gekleidete Duo The BossHoss den Auftritt "ihres" James Borges, der seinen Einstieg in das Duett mit Nelly Furtado versiebte. Nur langsam gelang es Borges, sich gesanglich neben dem Weltstar Furtado zu platzieren.