Filmproduzent Nico Hofmann im Interview Die gnadenlos weibliche Sicht

Sein Film "Dutschke" floppte, nun versucht er sein Glück mit "München 72" - Der Filmproduzent Nico Hofmann über relevantes Fernsehen, Veronica Ferres, die Veränderungen in seinem Beruf und warum er die "Bunte" abonniert hat.

Interview: Hans Hoff und Christopher Keil

SZ: Herr Hofmann, vor einem Jahr äußerten Sie eine Sinnkrise. Warum?

Hofmann: Ich musste nach mehr als zehn Jahren mein Berufsleben hinterfragen, und das habe ich auch glücklicherweise zugelassen. Ich bin aus dem ganzen Prozess stabil und lustvoll herausgegangen. Es ist eine andere Ruhe in mir. Ich weiß heute genauer, was ich will.

SZ: Und was ist das?

Hofmann: Wir gehen künftig mit einer höheren Stückzahl in den Event-Bereich. In diesem Jahr drehen wir Uwe Tellkamps Bestseller Der Turm als Zweiteiler, Rommel und Unsere Mütter, unsere Väter als Dreiteiler. Wir werden außerdem das journalistische Vorgehen bei der Stoffentwicklung vorantreiben.

SZ: Dutschke, Ihre Herzensangelegenheit des vergangenen Jahres, war der ZDF-Film an einem Dienstagabend mit der niedrigsten Quote aller Zeiten. Haben Sie Ihre Instinkte verlassen?

Hofmann: Man ist nicht immer vom Glück gesegnet. Dutschke ist völlig verquer wahrgenommen worden. Der Film hat sich ja nicht mit der Person auseinandergesetzt. Mein Ansatz war eine Generationenbetrachtung.

SZ: Darf man beim Fernsehen nicht mehr um die Ecke denken?

Hofmann: In gewisser Weise ist das so. Ich frage mich ständig: Welche Biopics oder Dokudramen eigenen sich noch für eine größere Betrachtung. Wir werden Hannelore Kohl machen. Ich kannte sie persönlich. Sie war eine intensive Persönlichkeit. Ich finde auch Gunter Sachs faszinierend. Oder Franz Beckenbauer. Beckenbauer ist einmalig. An ihm könnte man deutsche Geschichte erzählen, die es so nicht mehr geben wird.

SZ: Würde Guttenberg funktionieren?

Hofmann: Würde ich sofort machen, mit Sebastian Koch als Guttenberg und Robert Atzorn als Vater Guttenberg. Immer, wenn das Leben zum Drama wird, ergibt sich der Filmstoff fast von alleine.

SZ: Wann kommt der erste Kachelmann-Thriller?

Hofmann: Kachelmann ist doch schon sehr auserzählt worden in der Presse. Wo wäre der Mehrwert für den Zuschauer über das hinaus, was er bereits weiß? Andererseits fasziniert und erschreckt sein Lebensmodell. Da steckt - inklusive Fluchtpunkt Kanada - eine absurde Vorstellung von Freiheit drin, auch von sexueller Freiheit, ein Konzept der Nicht-Bindung. Es gibt heute genügend Partner, die so ein Spiel mit der Nicht-Bindung attraktiv finden, bis ins Sexuelle hinein.

Auf der Reste-Rampe

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